4.3 Aus Versehen

Eric: „Das ist nicht dein ernst?“

Volker: „Ja warum. Ist das so exotisch?“

Eric: „Die dunkelhaarige vom DM, die hast du geknackt?“

Volker: „Geknackt! Geknackt? – Nein, ich bin mit ihr zum Essen verabredet. Geknackt ist anders. Wir kennen uns.“

Eric: „Was sagst du dazu Hannes? Du bist doch der Abschleppexperte.“

Hannes: „Ich weiß wen du meinst. Ich glaube jeder in zwei Kilometer Umkreis, weiß wen du meinst. Die Frau ist eine Festung. Volker, wie hast du das denn gemacht?“

Volker: „Ich habe gar nichts gemacht. Wir sind ein paar Mal ins Gespräch gekommen.“

Eric: „Mit der kommt man nicht ins Gespräch. Die funkelt einen nur böse an. Die ist der Hammer.“

Volker: „Doch, vor einem halben Jahr oder so. Ich habe an der Kasse mit ihr gequatscht. Nur ein bisschen. Ein Hallo wie geht’s. Müde heute? Tierisch voll heute, so Beliebiges halt.

Sie hat mich ignoriert. Aber ich war immer freundlich. Mir war das egal. Die ist ja so dermaßen schön, so dermaßen Modelletage, da ist alles egal. Irgendwann habe ich sie nach ihrem Namen gefragt. „Der steht hier drauf.“ Hat sie gesagt und auf ihr Schildchen gezeigt. „Ich will deinen Vornamen wissen, dein Nachname ist mir egal.“ Habe ich gesagt. Und dann hat sie ihn mir genannt.“

Hannes: „Wie heißt sie denn?“

Volker: „Nadja.“

Eric: „Nadja, ok. Und dann?“

Volker: „Dann habe ich „Hallo Nadja“ gesagt. Jedes Mal und wir haben uns unterhalten. Immer so lang bis alles eingescanned war. Länger nicht. Schönen Tag Nadja, Schönes Wochenende Nadja, Pass auf dich auf Nadja.“

Eric: „Worüber habt ihr Euch denn unterhalten?“

Volker: „Ach, das Wetter, den Chef, diesen Dicken, kennt ihr den? Die Leute und über Sport. Genau über Sport. In welches Fitnessstudio ich gehe. Und dann hat sich mich gebeten nach den Preisen zu fragen. Habe ich gemacht, dann sind wir zusammen hingegangen und sie hat eine Probestunde da gemacht.“

Eric: „Du warst mit ihr im Fitnessstudio?“

Volker: „Ja, aber nur, weil ich den Chef kenne. Und wenn ich sie anmelde, ist es günstiger für sie. Ich kann da ein bisschen handeln mit dem.“

Eric: „Du warst mit ihr im Fitnessstudio!“

Volker: „Ja, nicht so wie du denkst. Nicht gemeinsam trainiert. Ich habe sie nur angemeldet, sozusagen.“

Eric: „Und jetzt triffst du sie auch da.“

Volker: „Joh, alle zwei Wochen oder so, irgendwie, ja klar. Ich winke ihr, sie winkt zurück. Manchmal quatschen wir kurz. Das ist alles.“

Hannes: „Und jetzt seit ihr verabredet?“

Volker: „Ja heute Abend. Wir gehen essen.“

Eric: „Und wie hast du das gemacht?“

Volker: „Ich habe sie gefragt.“

Eric: „An der Kasse, beim einscannen?“

Volker: „Ja.“

Eric: „Einfach so?“

Volker: „Ja, klar. „Hast du Lust mit mir essen zu gehen. Das ist bestimmt lustig wir zwei.“ habe ich gesagt. Und sie hat „ja“ gesagt. Nein, das stimmt nicht. Sie hat „Ja super gerne!“ gesagt.

Eric: „Super gerne? Bist du nervös?“

Volker: „Nein, warum? Ich gehe mit Nadja essen, wo ist das Problem? Das ist nicht wie du denkst, Eric. Das ist kein Date mit Ziel. Die ist eine ganz andere Liga. Aber ich freu mich drauf. Es ist irgendwie lustig. Es ist lustig diese total arrogante Frau zum Essen auszuführen. Die war so lange so überheblich zu mir und jetzt ist sie total nett. Das macht super Spaß mit ihr. Ich gehe manchmal in den DM und kaufe nix.“

Eric: „Ja das würde mir auch Spaß machen mit der, das glaube ich dir. Unfassbar. Du wirst doch sonst rot, wenn du nach dem Weg fragst.“

Volker: „Ach, so groß ist die Leistung jetzt nicht.“

Eric: „Hallo! Das ist die Königin des Stadtbezirks! Du hast die Königin aufgerissen!“

Volker: „Also erstens ist es nur ein Essen und zweitens habe ich zehn Monate gebraucht. Aufgerissen ist anders. Ich kann das überhaupt nicht. Ihr kennt mich. Ich habe sie nicht aufgerissen. Ich kenne sie und gehe mit ihr essen. Ich freue mich diebisch, aber mehr ist es nicht.“

Hannes: „Wie oft warst du so im DM pro Woche?“

Volker: „Zwei Mal vielleicht.“

Hannes: „Und wie lang habt ihr immer gesprochen?“

Volker: „Puhh, eine Minute vielleicht. Höchstens zwei.“

Hannes: „Stapel mal nicht so tief Volker. Zehn Monate, mal vier Wochen, mal zwei Treffen je eine Minute das sind insgesamt eineinhalb Stunde.“

Volker: „Ok, aber es war jedes Mal mehr als eine Minute.“

Hannes: „Ja, aber du musstest jedes Mal neu anfangen. Du hast also in eineinhalb Stunden die denkbar unnahbarste Frau von einem Essen mit dir überzeugt. Und ich bin mir sicher, du hast sie noch von ganz anderen Dingen überzeugt.“

Volker: „Wovon denn?“

Hannes: „Das du hartnäckig bist, das du dich nicht aus der Ruhe bringen lässt, das du auf ihrer Seite bist und das du stärker bist als sie.“

Volker: „Wie?“

Hannes: „Ich kann nicht mehr! Du denkst du hast nichts gemacht. Du hast dich wie eine Panzerfaust verhalten.“

Volker: „Wie? Wo?“

Hannes: „Du hast nicht aufgehört! Einfach nicht aufgehört hast du! Du hast dich durch ihre Panzerung hindurchgeschmort und bist dabei freundlich geblieben.“

Volker: „Unsinn. Es ist nur Gealbere mit ihr.“

Eric: „Die bezieht gerade ihr Bett neu für heute Abend, mein Lieber.“

Hannes: „Hundert Prozent Volker, Eric hat recht.“

Volker: „Scheisse, echt?“

Hannes: „Echt.“

Eric: „Echt.“

Volker: „Pfff…Jetzt macht ihr mich nervös.“

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