4.8 Viktoria!

Eine Fetischfete. Es ist eine von vielen. Es ist extrem. Ein extremes Ambiente ist das hier. Paul kennt das. Ihn kennt man auch. Die Bässe dröhnen, Elektrosound, Laserlicht, hunderte halbnackter Menschen stehen und tanzen im Saal. Paul geht an einer Sitzreihe entlang, darauf vögelt ein Paar.

Paul will zur Bar. Auf dem Weg dorthin steht André. André hebt den Arm, Paul schlägt ein in seine Hand.

„Und alles klar.“ fragt André. Es ist laut. Man muss laut sprechen um den anderen zu hören. Fast muss man schreien.

„Alles gut! Bei dir auch, wie ich sehe.“ antwortet Paul. Er zeigt auf die Andrés Begleitung. Eine Frau steht neben André. Sie ist Mitte Zwanzig, gute Figur, transparentes Latexkleid, keinen Slip, man kann alles sehen. Auf Highheels steht sie und grinst die beiden an. Sie ist bestimmt etwa High.

„Wer ist sie?“ fragt Paul.

„Das ist Viktoria.“ Sagt André.

„Du setzt also auf Sieg.“ sagt Paul zu André. Sein Blick gleitet von ihm zu ihr. „Hallo Viktoria, ich bin der Paul.“ Er reicht ihr die Hand. Sie lächelt, nein, sie grinst arrogant. Sie sagt aber nichts. Paul wendet sich zu André.

„Seit ihr verbunden?“

„Nein, gerade kennengelernt.“

„Und passt?“ fragt Paul. André schüttelt den Kopf. Viktoria lacht.

„Na, von mir aus ja,“ sagt André, er zuckt mit der Schulter, „aber von ihr aus eher nicht, wenn ich das richtig sehe.“ André stupst sie an. Sie schüttelt den Kopf, sie zieht eine Schnute. Wieder zuckt André die Schulter.

„Versuch du dein Glück. Harte Nuss, trotz der Aufmachung.“ Spricht er in Pauls Ohr und klopft ihm auf die Schulter. Er zwinkert ihm zu und geht.

Paul schaut zu Viktoria. Er tritt einen Schritt zurück. Sie steht da. Die Hüfte hält sie eingeknickt. Sie hebt eine Hand vor das Gesicht, sie lacht. Sie schüttelt den Kopf.

„Was ist?“ ruft Paul. Er muss rufen, sprechen reicht nicht, es ist zu laut. Sie geht einen Schritt auf ihn zu, damit er sie versteht.

„Werde ich gleich versteigert? Ich fühle mich so.“ fragt sie belustigt. Paul nickt.

„Ja, das kommt schon ungefähr hin.“ Antwortet er. Er geht wieder einen Schritt zurück und legt den Kopf schief. Er betrachtet sie von oben bis unten. Er hebt den Arm schulterhoch und macht eine rotierende Bewegung mit der Hand. Sie runzelt die Stirn.

„Was?“ ruft sie.

„Dreh Dich!“ ruft er zurück. Sie öffnet den Mund. Sie staunt.

„Was?“ fragt sie erneut.

„Dreh dich, damit ich dich sehen kann.“ Antwortet Paul. Sie hebt das Kinn. Sie lacht und dreht sich langsam betont lasziv um die eigene Achse herum.

„Gut so?“ fragt sie.

„Da kann man etwas draus machen. Bleib mal hier stehen, ich hole uns einen Drink.“ Sagt er.

„Okay.“ Sagt sie.

„Gin Tonic?“ fragt Paul.

„Fanta Jägermeister.“ Sagt sie.

„Pfuhi Teufel, aber du musst es ja trinken. Hier warten! Die Theke ist voll.“ Paul greift ihr in den Nacken, fixiert so ihren Kopf und gibt ihr einen kurzen Kuss auf den Mund. Dann geht er zur Theke.

Als er wiederkommt mit den Gläsern steht sie noch da. Sie tippt auf ihrem Handy herum.

„Oh, halte das Glas einen Moment, ich muss eben etwas schreiben.“ sagt sie ohne aufzuschauen.

„Ich stelle das Glas da hin.“ Er stellt ihren Drink auf einen Sims einer Säule. Die Säule ist vier Schritte entfernt. Sie schaut auf. Ihr Zeigefinger schwebt über dem Handy. Entgeistert schaut sie ihn an, aber es ist gespielt.

„Sag mal, kannst du nicht eine Minute ein Glas für mich halten?“

„Ich bin doch kein Stehtisch.“ Sagt Paul.

„Sie grinst und schaut wieder auf ihr Handy.

Paul nippt an seinem Drink. Er beobachtet sie. Sie tippt sehr konzentriert, dann schaut sie auf.

„Was ist?“ fragt sie gedehnt. Ihr Blick ist genervt.

„Coole Mimik hast du?“ sagt er. Sie schaut kurz zur Decke, sie lacht.

„Und das freut dich?“ fragt sie. Ihre Augen leuchten vor Spaß.

„Ja sehr.“ Antwortet er. Er trinkt. Sie steckt das Handy ein und verzieht den Mund. Er geht zur Säule und holt ihren Drink. Sie stoßen an.

„Du hast die SMS nicht abgeschickt.“ Sagt er. Ihre Augen werden zu Schlitzen.

„Mache ich später.“ zischt sie.

„Ich weiß“ sagt er und lacht. Sie guckt genervt. Er kommt nah an sie heran. Spricht ihr fast ins Ohr.

„Das ganze Repertuar. Du spielst echt alles durch, das muss man schon sagen.“ erklärt er und schmunzelt. Sie lächelt müde, sie kreuzt die Arme vor der Brust.

„Was meinst du?“ fragt sie gedehnt. Sie klingt genervt.

„Desinteressiert tun, mich als Boten schicken, so tun als wäre das Handy wichtiger… die ganze Schose.“ Er lacht sie an. Findet ihren Blick.

„Und das freut dich, ja?“

„Absolut, ein Riesenspaß.“

„Und wie geht es weiter, wenn ich alles durchhabe?“ Jetzt sucht sie den Blickkontakt.

„Spule es einfach alles noch einmal durch. Fange mit dem überlegenen Grinsen an. Nur so für die Etikette. Danach gehen wir vögeln.“ Sagt er. Er schmunzelt und schaut ihr in die Augen. Sie hebt das Kinn. Sie verzieht das Gesicht, sie lacht halblaut.

„Du glaubst doch nicht, dass du mich anfassen darfst“ sagt sie.

„Klar darf ich das. Du wartest ja drauf.“ Sie schaut ihn an, sie macht gespielt große Augen.

„Woran merkst du das?“ Sie kommt ihm sehr nah, fast an sein Ohr. Ihre Hand liegt kurz auf seiner Schulter.

„Du sprichst mit mir.“ Sagt er und schmunzelt. Sie haben Blickkontakt. Sie macht eine Schnute, sie grinst, dann nippt sie an ihrem Drink. Sie schaut zu ihm, zur Decke, wieder zu ihm und wieder trinkt sie an ihrem Fanta-Jägermeister Gesöff.

Er schmunzelt. Ein kleines Blickduell entsteht. Sie hebt das Kinn. Er legt ihr die Hand auf die Schulter. Dann küsst er sie. Erst ein zarter Kuss auf den Mund, nur mit der Spitze der Lippen. Dann ein intensiver Kuss mit Zunge. Sie macht mit.

Dann lässt er von ihr ab, bleibt dicht vor ihrem Gesicht.

„Dieses Fantazeug schmeckt scheußlich, aber du fühlst dich gut an.“ Sagt er streng. Sie kichert.

„Bist du soweit?“ fragt er. Sie schielen sich in die Augen. Geht nicht anders, sie stehen zu nah.

„Soweit? Für den Playroom?“ fragt sie. Sie hält den Kopf etwas geneigt.

„Ja klar. Dich nehme ich langsam. Wir lassen uns Zeit.“ Sie schmunzelt. Ein Blick wandert hin und her.

„Okay.“ Sagt sie. Sie nickt. Es ist ein kleines Nicken. Sie schmunzelt dazu. Dann streckt sie ihm ihr Glas entgegen. „Hältst du mal kurz meinen Drink?“

„Ich bin noch immer kein Stehtisch.“ kontert er.

„Oh Man, du bist echt die Pest.“ spricht sie laut. Sie macht eine Geste mit den Händen, fast schwappt ihr Glas über.

„Ja, aber die Pest fickt dich gleich.“ Antwortet er belustigt.

„Na gottseidank, dann hat das hier ein Ende.“ antwortet sie.

Sie kippt den Rest des Gebräus herunter. Er ergreift ihre Hand. Zwischen halbnackten Latexgestalten gehen sie Hand in Hand.

Im Gehen spricht sie zu ihm:

„Sag mal, Schüchternheit ist nicht so dein Problem, kann das sein?“

„Schüchtern?“ fragt Paul als habe er sie nicht verstanden. Sie nickt. Ein Lächeln huscht über Pauls Gesicht. Gedanken flitzen vorbei: Gina, Paula, Siri, die Hure in der Dusche, die Federfrau, Marc in der Schwulenbar… dann schaut er auf Viktoria. Er bleibt stehen. Sie tut es ihm gleich. Sie schauen sich an. Es ist nur ein kurzer Moment. Es ist ein schöner Moment. Seine Mundwinkel zucken.

„Wie sie da steht, wie wir da stehen, sie und ich vor dem Vorhang des Playrooms, einander unbekannt. Was für ein Weg! Wie einfach es ist! Viktoria ist Sieg!“  Das denkt er.

Er schüttelt den Kopf. Er lächelt sie an.

„Schüchtern? Nein Viktoria, wo denkst du hin!“ Er zwinkert ihr zu, schiebt den Vorhang beiseite und beide schlüpfen hindurch. Er lässt los, der Vorhang fällt.

Advertisements

4.7 Wie man blind fliegt

Das ging aber schnell. So schnell ging es noch nie.

 .

„Hi, wer bist du?“

„Ach lass, ich habe keine Lust zu schreiben.“

„Wir können uns auch treffen, wir wohnen in der gleichen Stadt.“

„Oh wirklich? Dann komm vorbei.“

 .

Sagte ich ja, so schnell ging es noch nie. Normalerweise braucht man auf Sexdatingseiten mehr Zeit, selbst dort. Diesmal nicht.

 .

Ich bin über den weißen Kies die Einfahrt entlang gegangen und dann die Schieferstufen hinauf. Gerade wollte ich klingeln, da flog eine Person hinter der Türe vorbei. Ich sah es durch die Scheibe. Das war sie.

Sie sah mich auch, stoppte, drückte die Klinke herunter und huschte direkt weiter. „Komm rein“ rief sie aus dem nächsten Zimmer. „Ich habe ein Problem.“

Ein Vogel hatte sich in das Wohnzimmer verirrt. Eine Amsel. Ein dummes Vieh. Zweimal flog es gegen die Scheibe, einmal schiss es auf das Klavier und das Geflatter wehte Papiere vom Sekretär. Dann fand der Piepmatz den Ausgang. Sie, meine Internetbekanntschaft, wies dem Vogel den Weg mit ausgestreckten Armen.

Der Vogel ist weg und wir stehen. Wir mustern uns. Wir wissen ja nicht, wie der andere aussieht.

„Hallo.“ Sagt sie. Sie lächelt.

„Hallo.“ Sage ich. Ich lächle auch.

Sie zieht die Augenbrauen hoch, zuckt mit der Schulter und wischt mit den Händen über ihre Jeans.

„Sie streicht ihren Rock glatt.“ Denke ich. Ich freue mich. Das ist lustig. Das gefällt mir.

Sie zuckt mit der Schulter, ihr Gesicht strahlt und sie ist verlegen. Sie ist nicht mein Typ. Sie ist mir zu…, ach ich weiß auch nicht, aber sie hat was… irgendwie.

„Komische Begrüßung, aber nicht verkehrt, gar nicht schlecht.“ Sage ich und blicke freundlich. Warum bin ich denn heute so sicher? Warum fühle ich mich so gut? Das ist ein schöner Tag. Das wird ein guter Tag.

Sie hebt wieder die Schulter, macht mit dem Arm eine Geste zum Garten. „Ja, Pfttt…“ sucht sie nach Worten. Sie lässt den Arm wieder fallen. Sie nickt. Ich schmunzle sie an. Auch ich nicke. Jetzt schmunzelt sie, streicht ihr Haar zurück, blickt einmal zur Decke und fischt ein freundliches Lächeln aus ihrem Gestenrepertoire. Sehr freundlich blickt sie mich an. Sie hat sich wiedergefunden.

„Einen Tee?“ fragt sie mit sicherer Stimme.

Ohh, die gefällt mir jetzt doch. Sie ist doch mein Typ. Die ist toll.

„Ja gerne.“ Antworte ich. Sie nickt. Sie nickt wie nur Frauen aus gutem Hause das können. Sie bedeutet mir mit einer Geste ich solle einen Moment Geduld beweisen. Auch das können nur Frauen aus gutem Hause. Es ist ein Wink mit der Hand. Es ist eine differenzierte Geste, sie ist so scheinbar nebenbei. Es ist ein Code für: „Fühl dich ganz wie zuhause, nicht so ganz natürlich, ich traue dir, ziemlich, aber noch nicht völlig, aber genug um dir meine Möbel, mein Inventar, einstweilen unbeobachtet zu überlassen und ich weiß, dass du den angefangenen Brief auf dem Schreibtisch nicht lesen wirst, der da liegt, denn du wirst das nicht tun, weil du Anstand hast. Kurz: Ich habe dich erkannt, wir gehören zur gleichen Klasse, du und ich, wir sind Establishment. Lasse dich nieder, ich bin in sechs Minuten wieder da. Dann komme ich mit dem Tee.“

Das alles steckt in einer Handbewegung. Das kann nicht jede Frau. Man muss selber aus gutem Hause kommen, um diese Geste lesen zu können. In großen Zimmern mit hohen Decken muss man gespielt haben als Kind, sonst kann man das nicht. Habe ich, also sind wir schon zwei.

Ich bin allein und drehe einen Kreis im Zimmer. Ich gehe ein wenig herum. Das Parkett glänzt, ein Perserteppich dämpft meinen Schritt, ein Gabeh. Ich sehe den sichtbaren Webfehler der eingewoben wird um der Fehlbarkeit allen Menschenwerks zu erinnern. Ein teures Teil. Ich schaue mich um mit flüchtigem Blick. Ich taxiere: Obere Mittelklasse, gehobenes Akademikertum, fast schon Oberklasse, altes Geld, aber nicht zu viel. Der große Garten strahlt und gedeiht ein wenig ungepflegt. Das wirkt charmant entspannt. Gottseidank, ich hasse überpflegte Gärten. Ich mag nicht, wenn Natur vergewaltigt wird. Menschen die sich mit geraden Rasenkanten produzieren, haben den falschen Typ Selbstbewusstsein. Oder sie haben einen neuen Spaten, das kann natürlich auch sein.

Ein schöner Garten ist das. Es ist es zu kalt für die Terrasse, also setze ich mich drinnen in die Sonne. Sie scheint durch eine große Scheibe in das Zimmer hinein. Ich sinke in ein Sofa. Hier ist es warm. Ich warte. Ich schaue.

Vögel zwitschern. Das Gezwitscher kullert durch die geöffnete Türe zur Terrasse.

Möbel aus Eiche stehen im Raum; Möbel mit Patina und Klasse und reichlich Eleganz. Ein wenig unaufgeräumt ist es hier und da. Das Zimmer ist im Modus der Benutzung, nicht der Repräsentation. Besuch war nicht vorgesehen. Ich war nicht vorgesehen, es ist ja spontan. Gut so. Ich mag das.

Eine Schiebetüre kratzt hinter mir. Leise klappert Geschirr. Die sechs Minuten sind um.

Feines Porzellan stößt aneinander. Ich schaue über meine Schulter. Die Dame des Hauses kommt und stellt ein Tablett mit Teekanne und Tassen vor mir auf den Tisch. Es sind geübte Bewegungen. Feine Finger, manikürt, stellen eine feine Tasse auf feiner Untertasse vorsichtig vor mich hin. Ein gleiches Service stellt sie mit gleichem Geklapper vor einen Sessel links von mir hin. Die Zuckerschale mit Zange platziert sie zwischen die Tassen. Daneben wird ein Kännchen mit Milch positioniert, so ein kleines mit Schnute. Das Tablett verschwindet, sie stellt es zur Seite. Ich schaue ihr zu. Sie setzt sich hin. Jetzt betrachte ich sie. Sie hat sich frisch gemacht, nur ein wenig. So wenig, dass man es kaum bemerken kann. Sie lächelt, neigt den Kopf, ich neige den meinen. Sie beugt sich vor und gießt den Tee ein, erst mir, dann ihr.

„Dankeschön.“ bedanke ich mich brav. Sie nickt. Eine angedeutete Bewegung, ein Rock-glattstreichen, einen Rock den es nicht gibt und sie gleitet zurück in ihren Sessel. Sie mustert mich. Ich mustere sie.

Sie holt Luft, hält sie kurz in der Lunge, atmet dann hörbar aus. Freundlich ist ihr Blick und zielt knapp an mir vorbei. Sie schmunzelt. „Normalerweise bin ich nicht so unorganisiert. Sie müssen … du musst entschuldigen, der Vogel…“ sie weist mit der Hand Richtung Garten und dann in das Zimmer. „… der Vogel hat mich aus dem Konzept gebracht.“ Sie macht eine entschuldigende Geste mit beiden Händen, ihre Schulter zuckt kurz.

Ich zögere. „Das war schön. Du warst schön“ Sage ich. Ihre Augen blitzen mich an. Ihre Augen haben Tiefe. Sie sind wach und sehr grün. Sie hebt eine Augenbraue und greift konzentriert zum Tee.

„Wie heißt du?“ frage ich und schlage die Beine übereinander. Es geht mir gut. Der Tag wird schön.

„Katharina.“ Sagt sie. Natürlich spricht sie nicht über den Tee, sondern setzt die Tasse ab, bevor sie spricht. Leise klirrt das Porzellan.

„und weiter?“ frage ich. Ihr Blick fängt mich ein. Ein schmunzeln huscht über ihr Gesicht und dann nennt sie einen sehr langen Namen. Ein „von“ ist auch darin. Ich nicke. Ein Nicken, das sagt: „Das habe ich mir gedacht.“

Sie hat einen Akzent. Ihre Laute knacken ein wenig. Es ist etwas Östliches darin und noch etwas anderes, ein amerikanischer Singsang, so ein Unterton.

„Wo kommst du her?“ frage ich. Sie lehnt sich zurück in den Sessel.

„Ostküste der vereinigten Staaten von Amerika.“ antwortet sie langsam, langsam und stolz.

„Und davor?“ frage ich weiter. Sie zögert, macht eine Bewegung mit den Fingern.

„Mein Vater ist Ungar.“ Jetzt wartet sie ab.

„WASP?“ frage ich. Jetzt lächelt sie. Ein Lächeln, das es nur an der amerikanischen Ostküste gibt. Und sie nickt einmal mit dem Kopf, wie man es so auch nur an der amerikanischen Ostküste macht.

„WASP.“ bestätigt sie. Wir lächeln uns an. Zu ihrer Herkunft ist alles gesagt.

„Wie ist dein Name?“ fragt sie nach einer Pause. Ich nenne ihn ihr. Meine Herkunft nenne ich ihr auch. Eine kurze Skizze mach ich ihr. Drei Sätze reichen, dann sind wir quitt. Eine Pause entsteht.

„Was für Leute man doch trifft auf so einem Portal.“ Sagt sie und eröffnet so das echte Gespräch mit scheinbarer Beiläufigkeit.

„Absolut.“ Sage ich. Es ist meine ehrliche Meinung. Jetzt macht sie ein ärgerliches Gesicht. Ein Gedanke ärgert sie. Dann spricht sie ihn aus.

„Es sind nicht immer schöne Begegnungen.“ Sie streicht mit ihrem Daumen über ihre Nase, blickt im Zimmer herum, dann wieder zu mir. Sie lächelt. Ich nicke. Ich weiß genau was sie meint. Sie holt Luft. Sie ist gewohnt heikle Dinge beim Namen zu nennen. Das sieht man ihr an.

„Was ich suche ist schwer zu finden.“ Ich nicke, sie blickt zu mir. Ein harter Blick trifft mich.

„Mein Problem ist…“ für eine Millisekunde hat sie die Zähne gefletscht, „… dass mir das nicht viele bieten können.“ Sie richtet sich auf in ihrem Sessel. Eindringlich schaut sie mich an, ihre Mimik ist die oststaaten Distinguiertheit itself. Gekonnt ruht ihr Blick auf mir. Ich zucke nicht, weiche nicht, neige nur freundlich den Kopf von rechts nach links. Sie tippt mit dem Finger auf die Sessellehne, macht eine Pause, dann macht sie es wieder. Sie wägt ab was sie sagen wird. Dann spricht sie schnell:

„Ich bin in einer leitenden Position einer großen Internationalen Organisation.“ Ich verziehe keine Miene. „Da gehörst du auch hin.“ Denke ich.

„Da ist es nicht ganz einfach, ein Gegenüber zu finden, dass einem Standhalten kann, wenn du verstehst.“ Ich lächle. Sie lächelt nicht. Dann nicke ich ganz leicht. Sie blickt zu ihrer Hand, knetet mit der anderen dort einen Finger. Dann schmunzelt sie.

„Es ist zum lachen.“ Sagt sie, ihre Stimme ist jetzt ganz weich, springt von Wort zu Wort, „da stehen manchmal Männer beim Daten vor einem, die zittern.“ Sie schlägt mit der Hand auf den Sessel. „Die zittern.“ wiederholt sie. „Was soll ich damit?“ Belustigt schaut sie mich an. Sie zuckt mit der Schulter, greift zum Tee und nippt daran. Sie setzt die Tasse vorsichtig ab.

„Warum erzähle ich dir das eigentlich?“ fragt sie mich. Mein Schweigen macht mir gerade viel Spaß, darum antworte ich nicht.

Auch sie kann schweigen, also schweigen wir uns eine Minute an. Eine Minute ist lang.

Aus der Businessfrau wird ein Mädchen. Das harte im Blick sinkt irgendwohin hin. Ihre Augen funkeln.

„Ich habe das noch nie gemacht…“ sagt sie leise. „… zu mir nach Hause, so schnell, also das du hier bist.“ Schickt sie schnell hinterher. Sie macht große Augen, große grüne Augen, und schüttelt den Kopf schnell hin und her. „Ich muss wahnsinnig sein, total bescheuert.“ Sie fasst sich mit der Hand an den Kopf, grinst über ihre eigene Torheit, hebt die Augenbrauen und atmet hörbar aus.

Ich breche mein Schweigen: „Instinkt.“ Sage ich.

„Instinkt?“ fragt sie und etwas wächst in ihr.

Ich beschließe mit ihr zu schlafen, gleich hier auf dem Tisch. Es ist ein spontaner Entschluss. Ich hatte das gar nicht vor. Ich vermute sie trifft gerade den gleichen Entschluss.

Sie öffnet den Mund und schließt ihn wieder. Ihre rechte Hand spielt herum.

„Ich weiß nicht. Mir war so. Ich wollte dich kennenlernen und schreiben war mir zu viel. Was soll schon passieren?“ Sie lächelt mich an, versucht das Lächeln unschuldig zu gestalten. Ich weiß, dass sie lügt und sie weiß, dass ich es weiß und ich weiß, dass sie weiß, dass ich es weiß.

Sie spitzt die Lippen. Tatsächlich sehe ich etwas Angst in ihrem Blick, eine Unsicherheit. Eine Spur davon, es ist nur eine Spur. Sie holt Luft, schluckt.

„Also nicht dass wir uns missverstehen…“ sagt sie mit fester Stimme, dummerweise ist es die Stimme eines Mädchens, sie hat die Geschäftsfrau vergessen, „… ich will keinen Sex. Nicht heute, ganz bestimmt nicht hier. Hier geht das nicht. Ich habe sowieso meine Tage.“ Ihre Augen sind groß, sie sucht meinen Blick.

Ich nicke, greife zum Tee. „Gut.“ Sage ich, „dann hätten wir das geklärt.“ Sie glaubt mir. Wo ist denn die Geschäftsfrau? Wo ist die Menschenkennerin hin, die leitende Frauen sein müssen um leitend zu sein? Wo ist die Grundskepsis gegenüber Versprechen aller Art? Das ist eine Grundfertigkeit, die man haben muss um dort oben zu überleben? Diese Frau sitzt jetzt als Mädchen vor mir. So muss es sein. Das ist gut und bestimmt ziemlich selten bei ihr.

Ich trinke meinen Tee. Und mit mir? Was ist mit mir los? Wo ist denn meine übliche Natur? Ich müsste doch zaudern jetzt. Ich müsste mich mit Fragen quälen. Fragen wie: Will sie mich? Darf ich? Ist es der richtige Zeitpunkt? Beleidige ich sie? Wie gehe ich vor? Ist das zu frech? Und wo sind die ganzen Stopp-Befehle die ich sonst höre? Wo ist das alles hin? Warum höre ich nicht: Sie will dich nicht! Das steht dir nicht zu! Sie lacht über dich, wenn du anfragst. Wo bleibt das: „Du bist ein Pimpf, schleich dich!“ Das höre ich doch sonst immer. Ausnahmen gab es nie bisher.

Der Tee ist lauwarm. Ich schlucke die Brühe herunter. Ich mag keinen Tee, aber das ist jetzt egal. Ah, da kommen sie ja meine mahnenden Stimmen. Sie wachsen in mir. Da, endlich höre ich sie. Ich schaue zu der Frau in dem Sessel und höre meine wachsenden Zweifel. Sie rauschen heran, gleich sind sie da und lassen mich dann hadern.

Aber, ein Wunder geschieht: ich tue etwas Neues. Ich tute etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich höre den Stimmen und Bedenken nicht zu! Ich stelle die Teetasse ab. Das Porzellan-auf-Porzellan Geräusch höre ich kaum. Ich schotte mich ab und konzentriere mich darauf, einfach zu tun, was ich tun will, egal welche Gefühle da sind. Ich bin ich und die Wünsche, all die Stimmen, die Bedenken und Mahnungen sind mir egal. Mögen sie doch kommen.

Ich fühle zwar nichts, das ist der Preis, aber das ist nicht wichtig. Nicht jetzt, ein andermal. Ich führe ein Programm aus und dann schauen wir mal. Ich schalte auf Blindflug. Das ist neu. Ich mache mich blind und taub für Gefühle in mir. Es fühlt sich taub an.

Ich spüre, dass ich aufstehe. Ich sehe mir dabei zu. Wie und was ich jetzt handle ist eine mir fremde Choreographie. Sie läuft ab, sie ist ein Automatismus, sie ist ja nicht schwer.

Ein Tunnel verengt meinen Blick. Nur die Mitte des Blickfeldes ist scharf, alles andere verschwimmt. Die Wände des Tunnels schotten mich ab. Sie isolieren mich von allen Imperativen, von dem was ich sein soll, wie ich sein soll. Ich verstehe, der Tunnel verbindet mein ich, was ich will, mein Selbst, mit der Situation. Die Gedanken was ich darf und was nicht, was sich gehört oder Angst bleibt außen vor. Ich bin frei.

Ich sehe mich zu ihr gehen, dann sehe ich sie ganz nah. Dort handelt mein Selbst, ich steuere nichts.

Grüne Mädchenaugen sehe ich mit erstauntem Blick, direkt vor mir. Ich sehe auch, dass sie es mag. Ich fühle es nicht. Ich sehe nur zu. Ich weiß, dass ich sie küsse. Ich sehe es als sei ich in mir. Wie sie sich anfühlt, wie sie schmeckt, weiß ich nicht. Ich bin im Blindflug. Ganz ruhig bin ich, da ist keine Angst. Ich bin mir gewiss, mein Selbst macht das schon.

Mir kommt in den Sinn in genau dieser Situation sonst schüchtern zu sein, zu hadern und zu zweifeln. Es ist eine Erinnerung. Jetzt ist nichts davon da. Der Tunnel ist rein, die Luft darin klar. Es ist offensichtlich, ich ignoriere die Idee nicht willkommen zu sein. Ich verweigere mich der Schüchternheit. Ich springe über meinen Schatten und der Schatten bleibt wo er ist.

Ich höre mich sprechen: „Zieh dich aus.“ Ich lächle dazu. Ich denke noch: Das ist kein cooler Satz, aber selbst das ist mir egal. Ich bin im Blindflug.

Sie schüttelt den Kopf. Ihre Lippen sind nass, nass von meinem Kuss. Doch ihr Kopfschütteln überzeugt mein Selbst nicht. Auch sie ist nicht überzeugt.

Ich spüre nichts, aber ich, mein Selbst hat mein Ziel erreicht: Sie bewegt sich. Sie steht auf. Sie zieht sich aus.

Ich bin blind geflogen! Was für ein Gefühl! Es ist ein Triumph! Sie steht angelehnt an den Tisch. Ich streiche mit meiner Hand ihren Oberschenkel hinauf. Mein Blindflug weicht, der Tunnel verschwindet. Ich bin wieder ich.

Jetzt schmecke ich ihren Kuss. Ich bin wieder der Alte, meine Sinne sind da! Meine Imperative, Zweifel, Fragen auch. Lächerlich, sie sind lächerlich, ich habe sie überwunden und darum verstummen sie auch.

Meine Finger sind feucht, es ist die Feuchte ihrer Scham. Sie hat nicht gelogen, sie hat ihre Tage. Rosarot glitzert das Nass. Sie zuckt mit der Schulter, auch mir ist es egal.

Sie ist ein wenig verängstigt, noch immer. Vielleicht hat sie meinen Tunnel gespürt. Vielleicht spürt man solche Tunnel bei einem Kuss.

Ich heben sie an und setze sie auf den Tisch, nackt wie sie ist. Ich streiche über ihre Brust, spiele kurz an ihrem Nippel, zupfe daran. Sie zischt und schaut mich böse an. Ein Böses Gesicht macht sie. Da ist Trotz in ihr. Sie hat jetzt ein Mädchengesicht. Ihre Gestik sagt noch immer nein, aber ich weiß, dass sie will. Ich sehe es in ihrem Blick.

Ich zwinkere ihr zu, dann lache ich laut.

„Warum lachst du?“ fragt sie. Ich lache weiter, fasse sie an der Schulter und küsse sie tief. Ganz tief. Ihre Zunge, ihr Mund, warm und feucht, ich spüre alles, sauge sie ein. Alles ist gut, wunderbar. Dann lache ich wieder laut.

„Du lachst schon wieder. Lachst du mich aus?“ Böse klingt ihre Stimme, sie schlägt mich mit der flachen Hand. Ihre Empörung ist echt. Zwischen ihren Augenbrauen liegen zwei Falten. Ich schüttle den Kopf.

„Nein nein.“ Sage ich. Mein Blick überzeugt. Sie guckt wieder freundlich.

Ich bin entspannt, so entspannt, so ein Sieg! Und gleich schlafe ich mit ihr. Und wie! Halbtot werde ich sie ficken, sie hat Glück. Das wird Fest! Ich werde feiern mit ihr.

„Nein,“ erkläre ich. Sie schaut mich freundlich fragend an. Sie streicht mir mit ihren Händen über meine Flanken.

„Nein, ich lache meine Hemmungen aus.“ kichere ich.

„Hemmungen? Du?“ fragt sie mit hochgezogenen Brauen und gackernder Stimme. Jetzt lacht sie auch.

4.6 Geht doch!

Ich kipple mit dem Barhocker. Ich weiß das ist gefährlich. Aber mir ist danach. Ich bin in provokanter Laune. Das habe ich schon mal. Und wie soll man hier sein, wenn nicht provokant, hier als heterosexueller Mann in einer Schwulenbar.

Ich sitze mit dem Rücken zur Theke. Beide Ellbogen habe ich hinter mir auf die Thekenfläche gestützt. Neben mir tuscheln Mario und Jay. Sie sind auch der Grund warum ich hier bin. Sie sind ein Paar. Die Beiden kommen aus New York, New York State. Jetzt sind sie einmal in Köln, da wollen sie unbedingt in eine Schwulenbar. Da komme ich doch mit, das ist ja bestimmt interessant.

Ich hatte Recht. Es ist wirklich interessant. Ich mag das hier. Es ist ein Irish Pub. Vielleicht ist es ein wenig plüschiger als sonst. Ein wenig mehr Samt gibt es hier. Es ist nur eine Prise anders als sonst, aber genau diese Prise, die macht den Unterschied aus. Sehr lustige Bilder hängen an den Wänden. Es ist zwar Dunkel, aber man kann es erkennen: Männer aus vergangenen Zeiten. Ein Gemälde von einem Mann in Dandyaufmachung hängt mir schräg gegenüber an der Wand. Wo haben sie diese Bilder nur aufgetrieben? Total cool ist das. Ich liebe gute Bilder. Das gefällt mir.

In der Bar sind nur Männer. Na ja, fast: Es gibt eine Quotenfrau. Sie arbeitet hinten an der Bar. Sie ist gar nicht hässlich anzuschauen. Im Gegenteil, sie hat eine angenehme Lässigkeit. Als Frau hinter der Theke einer Schwulenbar, das ist pfiffig. Das eine Problem hat sie nicht: Angegraben wird sie hier nicht. Sie könnte Nackt hinter der Theke stehen, nichts würde ihr passieren, niemand würde sie belästigen. Ich könnte diesen Part ja übernehmen und zu ihr hinübergehen. Dann könnte sie zuhause erzählen: „Stell dir vor, jetzt stehe ich seit drei Jahren friedlich hinter der Theke, habe meinen Frieden, da kommt doch heute dieser Idiot…“

Aber nein, jetzt übertreibe ich. So mutig wäre ich gar nicht. Egal ob angezogen oder nackt, belästigen würde ich die Frau nie. Der Grund ist simpel: ich spreche Frauen gar nicht erst an. Sicher ist sicher.

Ich drehe mein Bier in der Hand. Ich mache eine Grimasse und schaue mir die Gesellschaft hier an. Alle sind ein bisschen schicker. Schicker als auf der Straße. Das soll hier in Köln etwas heißen. Das Modeniveau ist hoch. Es reicht mir ungefähr bis zum Kinn. Ich ersaufe fast. Ich bin total underdressed, aber es ist mir egal.

Offensichtlich sind Bärte in. Jeder Dritte hat einen Bart. Sehr gepflegt sind sie alle. Gepflegt sind die Bärte, gepflegt sind die Männer. Ich mag keine Bärte, aber ich mag gepflegte Männer. Schwule sind mir sympathisch. Ich bin überhaupt nicht homophob. Ängste vor Zuwendung vor dem eigenen Geschlecht sind mir fremd. Allerdings bin ich auch nicht homosexuell, nicht die Spur. Ich bin absolut straight. Ich habe es probiert. Männer geben mir nichts.  Schade eigentlich. Das würde ein geselliger Abend.

Denn, eines muss man diesem Völkchen lassen: Kommunikativ sind sie ja schon. Diese Art wie sie miteinander umgehen, ist schön anzuschauen. Sie sprechen miteinander, auch wenn sie sich nicht kennen. Sie spielen untereinander mit Blicken. Sie sind viel freier, sie sind unbefangener. Ich kann zwar nicht hören, was sie sagen, aber man sieht es: Gefallen sie einander, geht der eine zum anderen und spricht ihn an. Sie sind nicht verschroben, sie verschränken nicht die Arme und signalisieren „Was willst denn du?“. Tun sie es doch, so ist es Teil des Spiels. Da ist mehr Erlebnis in ihrer Kommunikation und Viele erreichen ihr Ziel.

Da haben sie uns etwas voraus. „Uns“ das ist diese riesige Gruppe heterosexueller in der die Nichtspielpartner verkrampft und einsilbig nebeneinander stehen. Die meisten trauen sich nicht. Zu den „meisten“ gehöre ich. Darauf trinke ich: Ich trinke auf die Überlegenheit der schwulen Minorität. So proste ich mir im Stillen zu und nehme einen Schluck von meinem Bier.

Ein Mann kommt auf mich zu. Er ist etwa mein Alter. Er steuert neben mir an die Bar. Ich leiste mir einen Augenkontakt. Es kann ja nichts passieren. Ich nicke ihm zu. Er nickt zurück. Er steht neben mir an der Bar und bestellt. Er wartet.

Unsere Blicke begegnen sich erneut.

„So wie ihr, möchte ich das können.“ Höre ich mich sagen.

„Was?“ fragt er. Er dreht sich zu mir. Ich zeige mit meinem Getränk Richtung Saal.

„Potentielle Sexualpartner ansprechen.“ Sage ich. Er grinst. Ich grinse auch. „Ich bin hetero, hundert Prozent.“ Stelle ich vorsichtshalber mal klar. „Aber ich bewundere das. Ihr macht das einfach, denkt auch nix dabei.“ Er grinst noch immer und nimmt sein Bier in Empfang.

„Ach so, das.“ Sagt er und nippt an seinem Bier.

„Ja, verdammte Axt. Genau das! Bei einer Frau, also meiner Zielgruppe, bekomme ich keinen Piep heraus.“ gestehe ich. Er lacht.

„Ich bin übrigens Paul.“ sage ich und gebe ihm die Hand. Er schlägt ein. Dann prosten wir uns zu, trinken beide am Bier.

„Ich bin Marc.“ Sagt er.

„Ja“ sage ich und rücke mich auf meinem Stuhl zurecht. Ich wende mich Marc zu. „ja ich bin der Paul und zu blöd ne Frau anzusprechen.“ Ich schüttle den Kopf. „Ach völlig falsches Thema hier.“ sage ich noch.

„Unsinn, natürlich kannst du das.“ behauptet er. Ich hebe eine Augenbraue. Ich muss ihn belehren:

„Du hast ja keine Ahnung, wie steif und verkrampft ich sein kann.“

„Ja, aber du kannst es.“ Sagt er und spricht dabei in sein Bier. Er trinkt. Über den Glasrand blickt er mich an. Sein Blick fällt nicht, er zielt. Ich winke ab, schüttle den Kopf.

„Ich glaube ihr habt da einfach ein anderes Gen. Ihr habt da eine bessere Routine im Kopf.“ Sage ich. Jetzt schüttelt er den Kopf.

„Nein, wir sind nur im Training. Wir machen das ständig, deswegen können wir das. Du kannst das auch.“ Er grinst mich an.

„Unsinn, neinnein. Ich habe alles versucht. Kein Wort bringe ich bei einer Frau raus die mir gefällt.“

„Schüchtern?“ fragt er.

„Schüchtern!“ antworte ich. Er trinkt, ich auch.

„Ich wüsste auch gar nicht, was ich mit der Frau sprechen soll. Mir fällt da nichts ein. Mein Kopf ist wie leer.“ Spreche ich. Ich merke, dass ich jammere. Ich finde mich selber zum kotzen, zumindest im Augenblick.

„Sage ich ja. Es ist Übungssache. Jede Wette, es ist nur Übungssache.“ sagt er und stützt sich auf der Theke auf. Ich rücke zu ihm hin und tippe ihm mit dem Finger auf die Brust.

„Diese Wette fällt aus.“ Ich lege ihm eine Hand auf die Schulter, dann spreche ich weiter: „Wie soll ich denn üben, wenn ich es nicht kann. Ich spreche die Frau ja gar nicht erst an.“ Ich mache eine Grimasse, schaue ihm provozierend in die Augen. Dann nehme ich die Hand von ihm weg. Er kichert.

„Du kannst es nicht, wenn dir die Frau gefällt nicht wahr?“ fragt er mich. Ich nicke.

„Ja, allerdings.“ Antworte ich. Ich mag ihn, der Marc ist nett. Vor allem ist er nicht dumm.

„Dann spreche doch die Frauen an, von denen du nichts willst. So zum üben.“ Sagt er. Er macht ein provozierendes Gesicht. Er ist nicht dumm. Sagte ich ja. Ich bin aber auch nicht.

„Dann habe ich aber die Frauen am Hals von denen ich nichts will.“ Kontere ich und schaue ihn ebenfalls provozierend an. Was er kann, kann ich auch. Er schmunzelt.

„Dann spreche doch die Männer an.“ Sagt er lachend. Seine Augen funkeln. Ich gackere vor Vergnügen. Er macht mir Spaß, dieser Marc.

„Ich spreche doch keine Männer an, das kann ich ja gar nicht.“ Sage ich belustigt. Jetzt schaut er zu mir mit Schalk in den Augen.

„Na, dafür, dass du es nicht kannst, gehst du aber ganz schön ran, mein lieber, süßer Paul.“ Sagt er gedehnt. Er kommt mir nah. Ehe ich mich versehe, gibt er mir einen Kuss.

Ich schlucke. Nicht wegen dem Kuss schlucke ich. Das macht mir nichts. Ich schlucke wegen dem Satz davor. Er hat Recht. Genau das habe ich getan.

Unsere Blicke treffen sich. Wir sind nah. Er zwinkert mir zu und lässt von mir ab. Einen Schluck trinkt er von seinem Bier, schaut mich an und spricht mir ins Ohr.

„Du kannst es. Das war sensationell! Nur mit den Frauen, mit den Frauen musst du vielleicht noch ein wenig üben. Jede Wette, reine Übungssache.“

Noch einmal zwinkert er, dann ist er weg.

 .

Er hätte die Wette gewonnen. Drei Jahre später, weiß ich das. Drei Jahre später habe ich mich an ihn erinnert, an ihn, an die Bar, an das Gespräch. Ich habe es gemacht. Genau so, wie er gesagt hat. Es hat funktioniert: Erst mit den Männern, dann mit Frauen, dann mit DEN Frauen – in dieser Reihenfolge! Genau so habe ich es geschafft.

 .

Denn ich habe es geschafft. Schönen Gruß, lieber Marc, Kuss.

4.5 Hallo du Idiot

„Sie können also nicht fühlen, ob eine Frau sie mag?“ fragt mein Therapeut. Er sitzt mir gegenüber. Ein sehr aufgeräumter Tisch steht zwischen uns. Darauf liegt meine Akte. Meine Akte ist ein dicker Stoß buntes Papier. Auf dem Tisch liegen außerdem eine Unterlage, zwei Stifte und eine Packung Taschentücher. Die Taschentücher liegen immer da. Sie liegen im rechten Winkel zur Tischkante, immer genau so liegen sie da. Es ist für den Fall dass jemand weint. Das kommt ja vor in Therapien, habe ich gehört.

Mein Therapeut sitzt nach hinten gelehnt in seinem Sessel. Das macht er oft so. Die Ellebogen auf den Armlehnen aufgestützt spreizt er die Hände. Die Fingerkuppen berühren sich leicht. Er führt etwas im Schilde, davon bin ich überzeugt.

Mein Therapeut und ich… Wir sind nach all den Jahren fast freundschaftlich verbunden. Man kennt sich. Ok, er kennt mich natürlich um Potenzen besser als ich ihn, das ist klar. Seit Jahren gehe ich zu ihm. Wir hatten schon sehr viele Themen. Aber nach all diesen Dingen sind wir nun zu des Pudels Kern vorgestoßen: Meinem Problem mit den Frauen. Also ich habe kein Problem mit den Frauen. Im Gegenteil! Ich verstehe mich sehr gut mit ihnen. Es gibt da nur einen klitzekleinen Aspekt der mir Probleme bereitet. Er ist winzig. Dummerweise ist es so, dass dieser winzige, winzige Aspekt mir das ganze Leben versaut. Das ist ein unangenehmes Detail.

Dieser Sache ist mein Therapeut auf die Schliche gekommen. Irgendwann haben alle Ablenkungsmanöver nichts mehr gebracht. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr verstecken. Seit er das weiß, lässt er nicht mehr locker. Als wäre es sein Beruf, hackt er immer wieder auf dieser Frage herum. Er bohrt und nervt. Er geht mir gerade fürchterlich auf den Wecker. Was er sagt, geht mir gegen den Strich.

 .

„Ist es so?“ fragt er und reißt mich aus meinen Gedanken. Ich atme hörbar ein.

„Nicht ganz.“ sage ich. „Ich kann nicht fühlen ob mich eine Frau körperlich will. Der Rest geht.“ Er nickt. Also spreche ich weiter: „Das die Frau mich mag, das blicke ich schon. Aber ob sie körperlich etwas von mir will, nein das erscheint mir absurd.“

Diese Therapiegespräche! – Oh man, wenn einer diesen Unsinn hören würde.

Es entsteht eine Pause. Ich zähle im Geiste wie oft wir das schon besprochen haben. Ich komme zu einer ziemlich hohen Zahl. Drei vielleicht? Oh Gott ist mir das Thema lästig.

„Aber,“ er reckt sich und er hebt die Arme über den Kopf, seine Gelenke knacken. „wenn ich sie richtig verstanden habe, wissen sie schon, wer sie sind. Sie sind sich bewusst, dass sie attraktiv sind, das sie das Potential haben gemocht zu werden, das wissen sie schon.“

„Ja, absolut. Also, theoretisch. Also so wenn ich so auf mich draufgucke. Klar.“ Sage ich. Ich stöhne, lasse mich nach vorne fallen und stütze meinen Kopf auf meine Hand. „Ich fühle nur nichts.“ Schicke ich hinterher.

Oh Mensch, Mensch, Mensch, wie sich dieses Thema hinzieht. Beim ersten Mal war ich ja ganz begeistert diesen Mist an mir zu entdecken. Mittlerweile nervt es mich nur noch an.

Er macht weiter: „Und deshalb machen sie nichts. Deshalb halte sie sich zurück und greifen die Frau sozusagen nicht körperlich an.“

Das ist neu! „Ja genau“ sage ich. Ich richte mich in meinem Sessel auf. Er hat den richtigen Ton getroffen. Genau so fühlt es sich für mich an.

„Genau richtig, richtig, richtig! Ich habe das Gefühl die Frau anzugreifen. Als wolle ich etwas von ihr, was mir nicht zusteht, als würde ich etwas gegen ihren Willen verlangen, ich fühle ja nicht, das sie will. Das müsste ich doch oder? Ich meine, wenn man nicht fühlt, das sie will, und es trotzdem zu tun ist ein wenig, naja, also ein wenig wie einer Vergewaltigung, auch wenn es nur um einen Kuss geht oder ein Gespräch, oder eine Umarmung. Oder nicht?“

Er schmunzelt. Mit spitzen Fingern schiebt er einen Stift auf der Tischplatte hin und her.

„Sie haben das Gefühl die Frauen mit ihren Wünschen zu belästigen?“ fragt er langsam. Ich nicke. Eigentlich ist es viel schlimmer. Ich habe das Gefühl sie ekeln sich mit mir. Aber ich bin still. Ich will ihn nicht auf dumme Gedanken bringen.

Wir schweigen. Ich schaue zu ihm. Dann fällt mein Blick auf dieses Bild an der Wand. Es ist abstrakt und es ist abscheulich.

Also mein Therapeut ist wirklich ein netter Mann. Wir verstehen uns prächtig, aber wir haben einen völlig unterschiedlichen Geschmack was Bilder angeht. Ich finde er hat gar keinen Geschmack.

Vorsichtshalber schaue auch zur Zimmerpalme. Sie ist eine stille Freundin von mir. Sehr still ist sie und immer da wenn ich sie brauche. Zu ihr habe ich heute noch nicht geschaut, dabei muss ich doch unbedingt wissen wie es ihr geht.

„Sie machen dann einfach nichts. Geben der Frau nicht zu erkennen was sie wollen.“ Unterbricht er unser Schweigen. Mein Ablenkungsmanöver ist vorbei. Adieu Zimmerpalme.

Ich schweige. Verziehe mein Gesicht.

Er nimmt seine Brille ab, hält sie gegen das Licht, zieht einen Lappen hervor und putzt die Brillengläser.  Jetzt kommt eine Erklärung. Das macht er immer so. Ich kenne das schon.

„Sie wissen, dass dieses Verhalten antrainiert ist. Sie haben damals nicht bekommen was sie wollten. Es blieb ihnen versagt. Irgendjemand in ihrer Kindheit hat da versagt.“ Sagt er.

„Wir wollen keine Namen nennen.“ Sage ich. „Ohhh, Kindheit…“ denke ich. Er schmunzelt, lässt sich aber nicht abbringen von seinem Kurs. Mist!

„Dieses Verhalten hat sich verfestigt. Das ist nicht ganz leicht zu knacken. Mit Einsicht geht das nicht. Sie müssen ihre Verhaltensmuster durchbrechen. Durch Handlungen durchbrechen!“ Er schaut mich an. Ich hebe die Hände, meine Augenbrauen hebe ich vorsichtshalber auch. Denn ich habe keine Ahnung, was er sich da gerade ausdenkt.

Er lehnt sich zur Seite. Jetzt hängt er schief im Sessel. Seine Füße scharren auf dem Boden. Ich kann es hören unter dem Tisch. Er macht eine Grimasse und schaut mich an über seinen Brillenrand.

„Wir müssen das üben.“ Sagt er. Es klingt ganz sanft. Es klingt bedrohlich. Er sagt „wir“. Das kommt vor. „Wir“ bedeutet, dass ich an der Reihe bin.

„Üben?“ Frage ich. Er nickt. „Ich soll üben Frauen anzusprechen?“ Ich weiß, dass es solchen Mist gibt. Ich denke an verzweifelte Männer in blassen Anoraks die in Fußgängerzonen Frauen ansprechen. Sie sollen ihre Hemmung überwinden. Mir wird ganz flau. Ich habe keinen Anorak, das kann ich nicht. Nicht mit mir.

Er schmunzelt. Es hat etwas Diabolisches, wie er da in seinem Sessel hängt.

„Nicht ganz.“ Sagt er und presst die Lippen aufeinander. „Sie sollen sich dem Gefühl aussetzen eine Frau körperlich zu wollen und es ihr dann sagen.“ Er schaut mich an und grinst breit. Ich glaube ich bin gerade sein absoluter Lieblingspatient. „Immer wieder!“ sagt er. Er betont jede Silbe. Ich bin sein Lieblingspatient! Es muss so sein, so wie der grinst. „Immer wieder…“ Wiederholt er „…bis es weniger wird.“

Ich mag meinen Therapeuten. Er ist ein lustiger Vogel. Der hat Ideen. Er grinst, ich schüttele den Kopf.

„Sie haben Angst wieder nicht zu bekommen was sie verlangen. Es geht um die Erlaubnis zur körperlichen Zuwendung. Sie haben Angst davor wieder zurückgewiesen zu werden, denn das war damals ein fürchterlicher Schmerz für sie.“

Jetzt schaue ich aus dem Fenster. Es ist so schön nasskalt da draußen. Die Dächer sind so nass, der Himmel ist so grau. So ein bisschen Kälte wäre gerade gar nicht schlecht. Mir ist nämlich heiß. Und verdammt: Wo kommt jetzt diese Träne her? Ich schlucke. Schaue kurz zu den Taschentüchern. Ich schaue wieder aus dem Fenster. Upps, jetzt bin ich aber klein. Upps, jetzt muss ich aber aufpassen nicht zu weinen. Upps, ich weine ja schon.

 .

Es dauert eine Weile. Die Zimmerpalme versteht mich.

 .

Ich schnäuze mich. „Und wie soll ich das bitte üben?“ frage ich ihn. Ich schaue ihn an. Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Ich würde ihm einen Vogel zeigen, wenn er nicht er wäre. Wenn mein Therapeut nicht mein Therapeut wäre, eine Person von der ich über die Jahre gelernt habe, dass sie mich nicht verscheissert, egal was er sagt, ich würde darüber lachen. Ich lache nicht. Ich zeige auch keinen Vogel. Mein Therapeut hat recht. Ich weiß das, leider.

Er grinst, seine Augen funkeln. „Ich habe da eine Idee.“ Sagt er.

War das Sadismus? Habe ich da Sadismus bei ihm gesehen? Das kann doch nicht sein! Er ist mein Therapeut! Der darf das nicht!

 .

.

Dieses Gespräch war vor drei Wochen. Ich habe „ja“ gesagt zu seinem Experiment, ich Pfeife. Das habe ich jetzt davon.

Das Emblem des Etablissements ist auf der Rückseite des Bademantels eingestickt. Ich sitze in einem Saunaclub. Man erlebt Sachen im Leben…

Eigentlich ist es ganz nett hier. Es gibt einen Pool, eine Sauna, zwei feiste Lounges mit dicken Sesseln, einen beheizten Wintergarten und und und. Zu Essen gibt es reichlich und die Getränke sind umsonst. Was will man mehr?

Ach ja, und dann ist da noch dieses Detail mit den Frauen. Ich schätze es sind etwa vierzig Exemplare. Alle sind jung, die meisten sind hübsch und alle sind nackt. Sie sind ihre eigene Werbefläche. Sie laufen herum und bewerben ihr Produkt: Sich! Schnippt man mit dem Finger – manchmal reicht auch eine geringere Bewegung – und du hast sie gekauft. Naja, gemietet.

Ich mag das Prinzip. Es ist so schön einfach. Genutzt habe ich es allerdings noch nicht. Aber ich weiß wie es funktioniert. Wirklich! Ich weiß, wie es geht.

So sitze ich hier in einem tiefen Sessel und löffle den Milchschaum meines Latte Machiatos. Er ist wirklich köstlich der Kaffee. Sie bekommen phantastischen Kaffee hin.

Ich hingegen bekomme nicht hin, was ich hinbekommen soll. Ich habe von meinem Therapeuten den Auftrag den Mädchen zu zeigen, dass ich sie steil finde. Ich soll genau das tun, was ich nicht kann: Zugeben und signalisieren, dass ich sie will. Meine Angst soll verschwinden.

Ich soll gar nicht mit ihnen auf ein Zimmer gehen. Das müsse gar nicht sein, sagte mein Therapeut. Außer ich hätte Lust dazu, sagte er, dieser Scherzkeks.

Die Idee ist nicht schlecht. Das muss ich ihm lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass mich eine Frau hier ablehnt ist ziemlich genau gleich null. „Ein perfektes Klima um negative Erfahrungen durch positive Erfahrung zu ersetzen.“ Hat er gesagt. Er hat gegrinst, als er das sagte. Er hat sehr süffisant gegrinst.

Dieses opulente Ambiente mit all den nackten, verfügbaren, sichtbar bereiten Weibern ist für andere vielleicht der Himmel, für mich ist es die Vorhölle. Die Hölle ist, wenn ich mit einer sprechen muss.

Die anderen Männer haben mein Problem ganz offensichtlich nicht. Eher im Gegenteil: Ihnen fällt es nicht schwer zu zeigen welche und was sie wollen. Es herrscht ein reges Treiben hier. Es ist eine richtige Rennerei. Mädchen laufen mit Männern im Schlepp hin und her, verschwinden und tauchen wieder auf.

Den Club zu betreten war für mich kein Problem. Auch mich mit den angezogenen Servicekräften am Empfang zu unterhalte oder mit Frauen die mich nicht interessieren. Das ist alles kein Problem. Ich bin nicht schüchtern. Ich verhalte mich souverän. Ziemlich genau bis zu dem Punkt, wo ich zeigen muss was ich will. Ich bin nicht schüchtern, sagte ich schon. Ich bin einfach nur ein Idiot.

Ich bin heute das dritte Mal hier. Die Mädchen kennen mich schon. Komme ich zur Theke macht mir die Bedienung einen Latte Maciato. Sie fragt gar nicht erst. Sie kennt mein Getränk.

Man kennt mich im Puff. Na super! Aber mit meinem Auftrag bin ich kein einzigen Millimeter weiter. Zu signalisieren: „ich finde dich steil!“ ist mir noch nicht gelungen. Es ist zum Lachen und zum Weinen zugleich. Ich finde hier nämlich so ziemlich alles steil, was hohe Hacken trägt.

Ziemlich schnell hatten die Mädchen heraus, dass ich nett bin. Ich bin jünger als der Rest der Kundschaft. Das ist für die Huren natürlich angenehm. Außerdem betrachte ich sie als ganz normale Frauen. Sind sie auch. Wir haben alle unsere Berufe. Sie verdienen eben auf diese Weise ihr Geld. Na und? Wo ist das Problem?

Das spüren die sofort. Die kreisen um mich wie die Geier um duftendes Aas. Langsam werden es allerdings weniger Geier. Sie kreisen auch nicht mehr so dicht. Sie haben bemerkt, dass mit mir kein Geld zu verdienen ist.

Ich habe verschiedene Strategien entwickelt die Stunden im Club zu überstehen. Zuerst habe ich böse geguckt. Ich kann sehr böse gucken! So böse habe ich geguckt, dass mich wirklich keine angesprochen hat. Ich war richtig ein bisschen Stolz.

Jaja, ich weiß: Böse gucken ist ein Ausweichmanöver!

Das wurde albern mit der Zeit. Da fing ich an zu lächeln. Da hatte ich den Salat: Die Mädchen sind ziemlich frech. Sie setzen sich einfach auf deinen Schoß, nackt wie sie sind. Sie geben wirklich alles um zu verführen. Ich musste bemerken, das bringt mich überhaupt nicht in emotionale Bedrängnis. Ich kann wunderbar mit einer Frau herumscherzen, wenn ihre nackte Muschi auf meinem Oberschenkel wippt. Ich bin da völlig entspannt. Ich kann mich dabei eine halbe Stunde mit ihnen über die wirtschaftliche Situation ihres Heimatlandes unterhalten, kein Problem. Wenn ich noch ein paar Mal in den Club komme, spreche ich fließend rumänisch. Ein Paar Brocken kann ich schon. Aber auch das: es ist ein Ausweichmanöver!

Ich spreche mit ihnen, ich unterhalte mich, ich albere herum. Wir reden über ihren Job, die Börse und das Wetter. Alles kein Problem. Unterhaltsam ist das. Das ist nur nicht das Ziel des Ganzen. Es ist ein: Ausweichmanöver!

Ich erlaube mir auch Blickduelle. So saß die Sphinx vor mir. Ich nenne sie so. Ihr Gesicht hat ein orientalisches Profil. Sie sitzt immer bewegungslos, sehr aufrecht und mit hohlem Kreuz. Sie hat sehr große Brüste. Die sind bis zum Platzen gefüllt mit Silikon. Die Brüste sind eingeölt und glänzen im Sonnenlicht des Wintergartens. Ein schönes Bild. Die Brüste sind so glatt und so rund und so glänzend, man könnte sich im Spiegelbild der Titten die Haare frisieren. Das Bild wäre verzerrt durch die Rundung, aber man könnte sie sich frisieren!

Fünf Minuten haben wir uns angeschaut und gegrinst. Keiner hat sich bewegt. Fünf Minuten sind lang. Kein Problem. Aber auch das: ein Ausweichmanöver!

Wenn es um meinen Auftrag geht, dann verstumme ich. Kommt die Frage auf: „Willst du vielleicht…“ oder „lässt dich das hier alles kalt…“ dann werde ich hart, sitze wie ein Primaner auf der Holzbank und sage kein Wort. Oder zumindest sage ich nichts Sinnvolles mehr. Dann fühle ich nichts, mein Herz ist verschlossen. Vorsichtshalber schließe ich dann auch den Mund.

Ich habe dann keinen Kontakt mit mir selbst. Ich schwimme, es ist ein ekelhaftes Gefühl.

Um dieser Situation auszuweichen und meine Anwesenheit zu Rechtfertigen habe ich eine Geschichte ersonnen. Es passierte ganz von selbst. Ich hörte mir selber zu als ich sie sprach. Ich kannte den Text nicht: Ich sei, so sagte ich, ein Schriftsteller und das hier, das ich hier sitze sei Recherchearbeit.

Das ist eine hahnebüchelnde Geschichte. Wer ist schon Schriftsteller und wer schreibt über so etwas? Doch tatsächlich haben die Mädchen mir die Geschichte geglaubt. Schon wieder: ein Ausweichmanöver!

Ich brauche gar nicht zu meinem Therapeuten zu gehen. Ich weiß selber was mir passiert: Es sind alles Ausweichmanöver. Mein Unterbewusstsein diktiert mir Plots und Wege um genau dem zu entkommen, was es auf gar keinen Fall will: Das Risiko einer Ablehnung eingehen. Dabei ist das hier wirklich gleich null, das weiß es nur nicht. Es hat zu lange geübt um das jetzt zu verstehen.

 .

So sitze ich also hier in einem sehr bequemen Sessel und schaufle Milchschaum mit einem sehr langen Löffel in mich hinein.

Es ziehen Wolken auf. Meine Stimmung verdüstert sich bedenklich. Mir wird von Minute zu Minute klarer: Ich werde scheitern. Es gelingt mir nicht. Ich komme keinen Millimeter weiter. Nichts tut sich. Nichts weicht meine Verhärtung auf. Nichts lasse ich heraus.

Düster schaue ich zum Boden. Ich mache ein grimmiges Gesicht. Ich grüble und dünge meine Wut.

Da schieben sich sehr lange Beine in mein Blickfeld und bleiben stehen. Ich schaue auf.

Es ist Ira. Ausgerechnet Ira ist es. Sie ist die Attraktivste hier im ganzen Sortiment. Mit Verachtung schaut sie mich an. Sie drückt meinen Arm zur Seite. Ich muss aufpassen, dass der Kaffee nicht überschwappt. Dann gleitet sie auf meinen Schoß. Selbst durch meinen Bademantel fühlt sich ihr nackter Körper stramm, fest und drahtig an.

„Na du Idiot“ sagt sie mit knackendem Akzent. Meine Stimmung verdüstert sich weiter! Ich bin sauer. Ich bin sauer auf mich selbst und sauer auf die ganze Welt. Der Zorn über meine eigene Unfähigkeit gärt in mir. Und ausgerechnet jetzt krabbelt ein Vampir auf meinem Schoß. Ein sehr attraktiver, sehr geldgeiler, langbeiniger, dünnschlitziger, apfeltittiger Vampir. Ich spüre Wut!

„Was willst du, du Flittchen?“ Zische ich.

„Ohhh, so gefällst du mir schon viel besser.“ säuselt sie und lacht.

Wut! Wut! Vielleicht ist Wut eine Methode? Vielleicht komme ich mit Wut zum Ziel. Mal schauen.

4.4 So könnte es gehen

Er hat es geschafft! Er ist in den Laden geschlüpft. Er steht drin, die Türe ist zu. Fünf Anläufe hat er gebraucht. Fünf! Er ist die Straße auf und ab gegangen, an einer Ecke ist er stehen geblieben und dann wieder zurück gelaufen. Tief hat er durchgeatmet. Dann hat er es einfach gemacht: Türe auf und hinein.

Eine Kundin wird vor ihm bedient. Da sind er, die Kundin und die Verkäuferin, ansonsten ist der Laden leer.

Sein Herz klopft bis zum Hals. Er fühlt den Schweiß unter den Achseln. Ihm ist heiß und kalt zugleich. Die Kundin vor ihm ist eine Dame. Sie sucht in ihrer Tasche herum. Gleich ist sie fertig. Sie bezahlt schon. Die Kasse scheppert. Er tritt von einem Fuß auf den anderen. Gleich ist er dran, gleich.

„Oh Gott und jeder sieht meinen Schweiß.“ Denkt er. Jetzt geht die Dame an ihm vorbei. Er schaut zum Boden, er hört die Türe. Es klappert hinter ihm.

„Entschuldigung“ hört er die Stimme der Bedienung. Er schaut auf. Die Bedienung lächelt ihn an. „Könnten sie das „Geöffnet-Schild“ neben der Türe herumdrehen?“ Er schaut sich um. Fahrig sind seine Bewegungen. Er ist hektisch. Da sieht er es: Da hängt ein Schild an einer Kette. Es hängt vor der Fensterscheibe neben der Tür. „Geschlossen“ steht geschrieben darauf. Er zeigt auf das Schild und blickt zur Verkäuferin. „Ja genau das.“ sagt sie und nickt. Er dreht es. Die Kette klappert. Drei Mal klopft das Schild gegen das Glas. „Geöffnet“ liest er. Er stutzt. Er denkt langsam, wie in Zeitlupe kommt ihm alles vor. Aber klar! Logisch! „Ich sehe es ja von der falschen Seite.“ Er nickt und dreht sich herum.

„Oh Gott ist die schön, auch das noch, oh nein.“ denkt er.

Die Verkäuferin steht hinter der Theke und schaut ihn an. Sie hat ein ganz blasses Gesicht. Hell geschminkt, vermutet er. Blutrot ist ihr Lippenstift, schwarz ist ihr halblanges Haar. Auch ihr Pullover ist schwarz. Sie ist schlank, geradezu grazil. Sie hat Augen wie eine Katze. „Oh Gott“ denkt er noch einmal „die ist ein Vamp, die frisst mich auf.“ Er hat den Impuls zu verschwinden. Sich umdrehen und raus durch die Türe, das wäre es jetzt. Doch es ist zu spät, sie wartet auf ihn.

Er tritt noch einen Schritt vor. Seine Hände sind nass. Er ballt sie zu Fäusten, er öffnet sie wieder. Es kackt. Noch schaut die Bedienung freundlich, „Noch!“ denkt er. „Wenn sie nur nicht so schön wäre.“

Er holt tief Luft und hält den Atem an. Sie neigt den Kopf und hebt die Augenbrauen. Da stößt er die Worte heraus, fast spuckt er sie:

„Drei Pfund Gehacktes“ er holt noch einmal Luft und spricht viel zu laut „und 250 Gramm Leberwurst bitte.“ Beim letzten Wort versagt fast seine Stimme, aber es ist raus. Er hat es gesagt. Eine kleine Erleichterung ist ihm das.

Die Bedienung schaut ihn an. Sie hält den Kopf noch immer geneigt. Sie fasst in ihr Haar und schiebt es hinter ihr Ohr.

„Wie bitte?“ fragt sie. Er schließt die Augen. Dann wiederholt er:

„Drei Pfund Gehacktes und 250 Gramm Leberwurst.“ Sein Kopf wird puterrot. Er spürt den Schweiß auf seiner Stirn. Er vermutet, er fließt in Strömen herab. Sein Herz schlägt mit 200 Hertz.

Die Verkäuferin öffnet ihren Mund und schließt ihn wieder. Sie hebt die Hände und lässt sie wieder fallen.

„Wir sind ein Blumenladen.“ Sagt sie langsam.

Er nickt. Er nickt hektisch, aber er holt Luft. Es muss noch einmal heraus:

„Drei Gehacktes Pfund…nein, nein…“ wirft er den Satz weg und macht eine Bewegung mit der Hand. Er schließt die Augen.

„Nein, also drei Pfund Gehacktes, drei und Leberwurst…“ stammelt er. Ihm wird schwarz vor Augen, ganz kurz. Er stolpert ein wenig und hält sich an der Theke fest. Mit beiden Armen stützt er sich auf. Er lässt den Kopf hängen. Der Raum macht eine halbe Drehung, doch dann kommt er wieder zum stehen. Er atmet hörbar ein und aus.

„Geht es Ihnen gut?“ fragt die Verkäuferin. Sie klingt besorgt. Sie geht um die Theke herum, zieht ihren Arbeitshandschuh aus und nimmt ihn an die Hand. Seine Hände sind kalt, ihre sind warm.

„Komm setz dich erst Mal hier hin.“ Dirigiert sie ihn. Er folgt ihr zu einem Stuhl und setzt sich darauf.

Sie legt ihm ihre Hand auf die Schulter. Blutroten Nagellack erkennt er im Augenwinkel.

„Ich bin gleich wieder weg, tut mir leid.“ sagt er. Fast schluchzt er. Er lässt den Kopf hängen. Er braucht nur etwas Zeit.

Sie geht vor ihm in die Hocke, legt ihre Hände auf die seinen. Seine Hände liegen auf den Knien. Sie sucht seinen Blick, erhascht aber nur ein irritiertes Etwas, irgendetwas mit Augen. Er schaut wirr.

„Alles o.k. wieder?“ fragt sie vorsichtig.

Er nickt. Er will aufstehen, doch sie ist schneller und drückt ihn zurück auf den Stuhl.

„Neinnein, warte drei Minuten, bis es wieder besser geht, sonst fällst du mir ja in die Blumen.“ Sie lächelt ihn an.

 .

Er erholt sich. Sie steht neben ihm. Er schaut zu ihr auf. Es ist ihm peinlich. Sie lächelt.

„Geht schon wieder.“ Sagt er.

„Gut, dann erkläre mal.“ Sagt sie.

„Ach was, vergessen Sie es, es tut mir leid.“ Windet er sich.

„Dochdoch, ich will wissen, was das mit dem Gehaktes und der Blutwurst war.“

„Leberwurst!“ sagt er leise, aber trotzig.

„Gut,“ sagt sie und schaukelt mit dem Kopf „Gut, der Leberwurst. War das ein Witz?“

„Neinnein,“ er stöhnt „also doch, ja also nein.“ stammelt er. Er widerspricht sich. Er will weg.

„Ja was denn jetzt?“ sagt sie kichert sie. Er schaut sie an. Sie blickt freundlich. Er schaut wieder zu Boden.

„Ich soll das sagen.“ Sagt er leise. Dann schaut er sie wieder an. Ihr Gesicht leuchtet in Unkenntnis. Natürlich versteht sie nicht, wie denn auch?

„Ich mache eine Therapie und das war… also das ist meine Aufgabe.“ Erklärt er.

Sie kichert. „Zu sagen, dass du Gehaktes und Blutwurst willst?“ fragt sie langsam. „Leberwurst“ sagt er leise. Sie schaukelt mit dem Kopf. „Gut Leberwurst.“ Lenkt sie ein. Ihre Stimme ist sanft. Er nickt und presst die Lippen zusammen. Sie schmunzelt.

„Therapie wogegen?“ fragt sie freundlich. Er verzieht das Gesicht. Kurz streift er ihren Blick, dann schaut er weg.

„Gegen Schüchternheit.“ Sagt er.

„Ach so! Ah, ich verstehe.“ Lacht sie und lehnt sich an die Theke. „Das ist ja lustig.“ Freundlich ist ihr Ton.

„Bist du denn schüchtern?“ fragt sie unendlich warm. Das ist die überflüssigste Frage der Welt, findet er.

Er nickt.

„Das ist ja süß.“ sagt sie munter. Sie stellt ein Bein vor das andere und schaut ihn an. Es einsteht einen Pause. Gerade will er aufstehen. Er will sich entschuldigen und dann nichts wie weg. Er fühlt sich kraftlos. Da fragt sie:

„Willst du einen Tee?“ Er stutzt und blickt sie an.

„Nein, ich weiß nicht.“ Sagt er.

„Schön, das war ein klares Ja.“ sagt sie und stößt sich von der Theke ab. Sie geht zur Türe.

„Ich schließe nur schnell ab, dann gehen wir hoch.“ Sie lächelt ihn an „Oben ist es gemütlicher, als hier im Laden. Es ist ja gleich schon Acht.“ Erklärt sie.

 .

„Willst du Zucker? Milch?“ fragt sie und balanciert zwei sehr volle Teetassen zu ihm.

„Nein, danke nein, es geht so“

Sie sitzen in ihrer Küche. Wild zusammengewürfelt ist das Mobiliar. Ein Stuhl in Rosa, ein Stuhl in Blau. Die Stühle sind sich nur ähnlich, nicht gleich. Ein großer Schrank steht da, aus dunklem Holz ist er, viele Döschen stehen darin. Kochbücher und Kladden stapeln sich auch. Die Küche ist gemütlich.

„Seit wann machst du das mit der Therapie?“ fragt sie und nippt an ihrem Tee. Sie hat sich neben ihn gesetzt, direkt neben ihn, sie ist nah bei ihm.

„Drei Wochen.“ Sie schaut ihn an und er kurz zu ihr auf. „Zuerst waren es nur Stunden, jetzt kommt der praktische Teil.“ Ergänzt er.

„In meinem Blumenladen.“ sagt sie und grinst.

Er nickt und grinst auch. Sie tippt ihn mit zwei Fingern am Arm. Sie muss den Arm nur etwas wenden, so nah sitzt sie bei ihm.

„Worin bist du denn alles schüchtern?“ fragt sie. Er schaut zu Boden und wackelt mit dem Kopf. Dann zieht er die Schultern ein wenig hoch.

Sie legt ihre Hand auf seinen Arm. Es fühlt sich ganz warm an. Auch durch den Pullover spürt er es. Ihre Hand ist schön. Ihre Finger sind gerade und lang, sie fallen ihm auf. Manikürt und blutrot sind ihre Nägel. Das ist sehr ungewöhnlich für eine Blumenverkäuferin. Das hat er bei einer Floristin noch nie gesehen. Sie lässt die Hand liegen wo sie ist. Er hebt nicht den Blick.

„Ich habe Schwellenangst. Also Angst in Läden zu gehen und etwas zu fragen und Leute anzuschauen. Und ach, ach, überall…“ sagt er und schaut nicht auf zu ihr. Sie lächelt.

„Und jetzt musst du so unmögliche Sachen machen die furchtbar peinlich sind?“ fragt sie warm. Er wippt mit dem Kopf. Sie erhebt sich und nimmt ihn in den Arm. Halbgeduckt umarmt sie den Sitzenden ganz eng. Er ist überrascht und macht sich stocksteif.

„Keine Angst, ich tue dir nichts, ich nehme dich nur in den Arm, ich mache dich etwas warm.“ Hört er sie neben seinem Ohr flüstern. Er riecht ihren Duft. Sie ist warm und weich und edel. Sie duftet nach Frau. Dann lässt sie von ihm ab und setzt sich wieder auf ihren Platz. Ganz rot ist sein Kopf.

„Ach Gott ist das süß.“ sagt sie und nimmt ihren Tee. Sie trinkt einen Schluck und legt dann die andere Hand wieder auf seinen Arm. Er schluckt. Der Puls pocht in ihm. Er schaut zu ihrer Hand.

„Du hast sehr schöne Hände für eine Floristin.“ Er bereut es sofort. So ein dummes Gerede denkt er. Sie nimmt die Hand weg, hält sie gegen das Licht und spreizt ihre Finger. Sie dreht die Hand hin und her und legt sie wieder zurück auf seinen Arm.

„Dankeschön.“ Sagt sie fröhlich. „Das war aber lieb.“ Er schaut auf zu ihr. Sie lächelt, nein, sie strahlt.

„Und das war überhaupt nicht schüchtern, das war sehr schön.“ Sagt sie und macht ein putziges Gesicht. Er läuft rot an. Sie trinkt von ihrem Tee.

„Also ich finde dich total Taff.“ Sagt sie in aufgeräumtem Ton. Jetzt schaut er zu ihr auf. Sie streicht sich ihre Haare zurück. Die andere Hand bleibt auf seinem Arm. Irritiert schaut er sie an.

„Ja was denn?“ fragt sie und zeigt mit ihrer freien Hand auf sich. Ihr roter Nagellack zieht eine Spur in der Luft.

„Ich würde im Boden versinken müsste ich nach Gehackten und Blutwurst im Blumengeschäft fragen.“

„Leberwurst“ sagt er.

Sie verdreht die Augen.

„Tue ich ja auch.“ Sagt er leise.

„Na klar,“ sagt sie „das habe ich ja gesehen. Aber du machst es, ich mache es nicht und für dich ist es viel schwerer. Das ist der Unterschied.“ Sagt sie lachend. Er schaut sie an. Sie nickt und macht große Augen „Viel, viel, viel schwerer!“ betont sie. Sie hat Recht, denkt er. Es stimmt, denkt er. Das ist ein gutes Gefühl.

Sie lächelt. Dann kommt sie ihm ein wenig näher. Sie spricht ein wenig leiser, fast flüstert sie.

„Hast du das auch bei Frauen?“ fragt sie. Er wird rot, sofort. „Besonders bei schönen Frauen?“ fragt sie weiter. Er hätte nicht gedacht, dass er noch röter hätte werden können, doch er spürt, dass es geht. Sie lächelt ihn an. Ihre Hand liegt noch immer auf seinem Arm.

„Hast du das auch bei mir?“ fragt sie. Er öffnet den Mund und bekommt ihn nicht mehr zu. Es geht einfach nicht, er gehorcht ihm nicht. Sie grinst.

„Aber warum?“ fragt sie. Er schluckt. Eine Pause entsteht. Sie lässt ihm die Zeit. „Sag bitte!“ flüstert sie. Ihre Augen strahlen warm wie Sterne. Für einen Augenblick vergisst er wie dumm er sich fühlt. Er holt Luft.

„Ich kann dann nicht sprechen.“ Stammelt er. Sie neigt den Kopf zur Seite.

„Aber du tust es!“ sagt sie fröhlich. „Du sprichst mit mir.“ Er schüttelt den Kopf. „Nein, nein du sprichst mit mir.“ Sie lacht.

„Und? Ist das nicht gut?“ fragt sie.

„Doch, dochdochdoch“ sagt er schnell. Ihre Blicke treffen sich. Fröhlich schaut sie ihn an.

„Na also! Dann ist doch alles gut.“ sagt sie.

Er zuckt die Schultern, er reibt sich die Nase. Sie juckt. Er schüttelt den Kopf, dann nickt er.

„Was?“ fragt sie. Forderung liegt in ihrer Stimme. Er atmet ein, dann wieder aus.

„Ja, du redest mit mir. Du findest mich niedlich, schüchtern, süß, wie ein kleines Kind.“

Sie atmet hörbar ein, er schaut zu Boden. Er weiß, dass er recht hat.

„Wie ein Kind?“ fragt sie. Er nickt. Eine Pause entsteht. Ihre Hand liegt noch immer warm auf seinem Arm. Sie drückt zwei Mal kaum merklich zu. Es ist eine Forderung. Es ist eine Aufforderung zu sprechen. Er fixiert einen Punkt in der Zimmerecke. Er legt sich die Worte zurecht. Er formt Sätze im Kopf. Sie lässt ihm die Zeit. Dann spricht er sie aus.

„Ja, wie ein Kind. Keine Frau sieht mich als Mann. Ich werde so nicht wahrgenommen, von solchen Frauen. Nicht als Mann. Allenfalls als süße, niedliche Gestalt. Ich bin unsouverän, ich kann nicht viel. Sie sehen sofort ich bin klein.“  Er schaut auf. „Also innerliche.“ Ergänzt er. Sein Blick ist entschlossen. Da ist sogar Wut. „So ist es auch bei Dir. Du hast mich in deine Küche gebeten, weil ich so niedlich bin, so süß, ein Spielzeug um später etwas zu erzählen. Mehr bin ich nicht.“ Er hebt die Hände und dreht sie gespreizt neben seinem Kopf. Er imitiert eine Frau, spricht mit hoher Stimme: „Da hatte ich so einen ganz süßen in der Küche sitzen, der wurde ständig rot.“ Seine Hände klatschen wieder auf seine Beine. Er räuspert sich. Spricht wieder normal, fast leise: „Mann bin ich nicht, nicht für dich, mach mir nichts vor.“ Jetzt schaut er sie an. Er schaut ihr direkt ins Gesicht. Er erwartet ein irritiertes liebes Gesicht. Aber nichts da! Augen einer Katze schauen ihn an. Sie ist jetzt ein Vamp. Sie ist eine Frau im Dämonenmodus. Er erschrickt. Das Blickduell verliert er sofort. Keine Sekunde hält er ihrem Blick stand. Sezierend bleibt ihr Blick auf ihn gerichtet. Er schaut nicht hin, dennoch spürt ihn, wie einen Stich. Ein Lächeln spielt um ihre Mundwinkel, auch das sieht er nicht.

„Wirfst du mir das vor.“ Fragt sie. Ganz langsam spricht sie es aus. „Wirfst du mir vor, dass ich dich nicht als Mann anerkenne?“ Er atmet langsam ein und aus.

„Irgendwie schon.“ Sagt er.

„Upps, das war aber jetzt ehrlich. Gratulation!” Er schaut zu ihr. Sie ist noch immer ein Dämon, aber jetzt ist sie freundlicher. Sie lächelt wieder, immerhin.

Ihre Hand liegt wieder auf seinem Arm, streicht ihn zart und liegt dann wieder still.

„Ist es bei allen Frauen so?“ fragt sie warm. Er nickt.

„Ja, bei allen die mir gefallen.“ Sagt er. Sie kichert ganz kurz und ganz leise.

„Ja, das habe ich mir gedacht.“ Sagt sie.

„Und nicht nur bei Frauen, auch bei Männern, bei allen Menschen die mir begegnen. Na gut, nicht bei allen, aber fast, ja fast.“ Sagt er. Seine Stimme ist fest und sicher. Er schaut sie wieder an. Sie lächelt. Ihre Augen sind so schön, so warm.

„Dann wollen wir das mal sezieren.“ Sagt sie. Sie hebt die Augenbrauen. Er blickt sie fragend an.

„Nun, irgendwo liegt der Fehler, das gibst du zu, irgendetwas läuft falsch, oder denkst du nicht?“ fragt sie. Er nickt.

„Ja allerdings.“ Gibt er zu.

„Und wenn alle so denken werden sie nicht falsch liegen, das ist unwahrscheinlich. Also liegt der Fehler bei dir. Nicht wahr?“ fragt sie. Ihre Stimme ist aufgeräumt. Sie doziert. Er nickt. Sie wartet ein paar Sekunden bevor sie fortfährt.

„Was fühlst du? Was fühlst du, wenn du in der Situation bist?“

„Vor einer Frau?“ fragt er. Sie nickt.

„Ja zum Beispiel hier bei mir?“ sie schaut ihn aufmunternd an. Er blickt zu ihr und spürt ihre Hand auf seinem Arm. Er zögert.

„Du bist eine Göttin.“ Sagt er. Sie schmunzelt ihre Augen funkeln. Langsam schließt sie ihre Lider und öffnet sie wieder.

„Ja“ beginnt sie langsam „du hast recht. Genau das bin ich. Ich bin eine Göttin. Ich bin die Göttin der Blumen. Ich sehe perfekt aus, ich bin schlau, gewandt, weiß was ich tue, ich bin durch und durch Frau, nur die besten und erlesensten Prinzen lasse ich an mich heran. Es ist eine Gnade für Sterblichen, dass ich überhaupt mit ihnen spreche. Aber, ach weißt du, ich habe gerade nichts Besseres zu tun…“ plaudert sie. Sie zwinkert ihm zu. Ihren Zynismus in der Stimmte hört er nicht. Sie wartet einen Moment. Dann spricht sie weiter:

„Und du? Was bist du? Mal ehrlich, was bist du? Wie fühlt es sich an?“ Er schluckt. Er atmet tief.

„Ich bin ein Wurm.“ Sagt er leise. Sie nickt. Er sieht es nicht. Er schaut von ihr weg. Er kann es nicht sehen, aber er fühlt es. Sie nickt.

„Genau, du fühlst dich wie ein Wurm. So wirkst du auch, wenn ich ganz ehrlich bin.“ Stimmt sie ihm zu. Er schluckt wieder. Eine Minute vergeht.

„Vielleicht hast du recht. Vielleicht betrachte ich dich wirklich ein wenig als Wurm. So ein klitzekleines bisschen.“ Sagt sie und zeigt zwischen Daumen und Zeigefinger zwei Zentimeter in die Luft. „Es ist wirklich nicht so sexy, wie du da mit hängenden Schultern stehst oder sitzt. Da ist schon was dran, das ist nicht viel Mann. Das ist niedlich, aber nicht mehr.“ Er schaut sie an und sie blickt freundlich zurück.

„Woher weißt du das, das mit dem Wurm?“ fragt sie langsam. Ihre Stimme ist warm.

„Ich fühle es.“ Sagt er sofort. Sie nickt.

„Genau, du fühlst es! Das ist dein Fehler! Lass das mal sein. Du fühlst das Falsche!“ Zwei mal drückt ihre Hand seinen Arm. Er schaut zu ihr, sie grinst. Wieder zwinkert sie mit ihrem Auge.

„Die Frage ist, was Ursache und was Wirkung ist.“ Sie hebt ihre freie Hand, streckt einen Finger und zeigt zwischen ihnen beiden hin und her. „Sehe ich dich als Wurm, weil du dich als Wurm fühlst, oder fühlst du dich als Wurm, weil ich dich als Wurm sehe.“ Sie lächelt. „Was ist zuerst da, dein Gefühl, oder mein Blick?“ Er überlegt.

„Richtig!“ sagt sie und zwinkert ihm zu. „Es ist dein Gefühl. Es ist deine Erfahrung, deine Meinung von dir, die macht alles kaputt.“ Er atmet tief ein und aus. Sie nimmt ihre Hand von seinem Arm und streicht sanft über den Hals, dann legt sie die Hand wieder zurück. Sie lächelt ihn an. Ein wenig versonnen ist ihr Blick.

„Man kann falsch fühlen.“ Sagt sie langsam und nickt. „Vergiss das nicht. Das Gefühl hat nicht immer Recht. Der Schlüssel liegt in dir. Solange du dich als Wurm siehst bist du Wurm, wenn nicht, bist du es nicht, so einfach ist das, so einfach und so schwer.“ Sie lächelt. Er schluckt. Nein, sagt er sich, so einfach ist das nicht, so nicht. So schnell gibt er nicht auf. So ist das nicht. So kann das nicht sein. Es ist nicht Einbildung, das darf nicht sein.

„Ich habe noch nie erlebt, dass so eine Frau etwas von mir will, das ist quatsch. Da bin ich zu Recht Wurm.“ Sagt er. Entschieden ist seine Stimme, fast schneidend klingt sie.

„So eine Frau wie ich?“ fragt sie belustigt. Er nickt.

„Ja zum Beispiel. Nur mal als Beispiel. Es ist einfach nicht wahr.“ Sagt er.

„Woher weißt du das?“ fragt sie ihn. Sie lässt nicht locker, er spürt es. Sie zerlegt seine Gedanken. Sie hat das alles schon einmal gedacht.

„Ich erlebe es doch.“ Sagt er verzweifelt. „Ich sehe es doch jeden Tag, überall. Das ist keine Illusion, das ist Fakt.“

„Soso!“ sagt sie. Kalt klingt ihre Stimme. Er schaut zu ihr, hart ist ihr Blick. „Die Frauen sehen dich als Wurm und deshalb wollen sie dich nicht und wiederum deshalb, siehst du dich als Wurm und so fort.“ Sie schüttelt den Kopf. „Du denkst im Kreis, mein Lieber, und hältst dich für schlau. Du verwechselst dein Gefühl mit der Meinung der anderen.“ Sagt sie hart. Er atmet langsam, Verzweiflung ist da in ihm.

„Hast du es denn zugelassen?“ unterbricht sie ihn in seiner Grübelei. Er ist verstört.

„Wie?“ fragt er.

„Hast du es zugelassen dass eine Frau dich will, oder bist du vorher immer weggerannt. Weggerannt so wie du gerade eben auch gehen wolltest. Unten auf dem Stuhl im Laden, erinnerst du dich?“ Fragt sie warm. Er schluckt. Er staunt. Er schaut sie an. Sie hebt die Brauen und blickt ihn fragend an. Provozierend ist ihr Blick. Sie hat recht. Sie neigt den Kopf. Sie schmunzelt jetzt. Sie tippt sich mit einem Finger auf die Lippen. Rot spielt auf rot.

„Nun,“ sagt sie langsam. Sie betont jede Silbe. Sie lächelt ihn an. „Frag mich mal.“

„Was soll ich fragen?“ fragt er. Er ist verwirrt. Er ist so verwirrt, das er die Länge ihres Augenkontakts nicht bemerkt. Wieder betont sie jede Silbe:

„Frag mich, ob ich will.“ Sie zwinkert. Ihre Augen funkeln. Sie grinst. Sein Mund steht offen. Er glaubt nicht, was er da hört. Nur langsam sickert es in seinen Kopf. Sie schließt die Augen und öffnet sie wieder. Ganz langsam macht sie das.

„Was … was sollst du … also ich … also wollen?“ stammelt er.

Sie zeigt mit ihrem Finger auf ihn, dann auf sich, dann wieder auf ihn.

„Ich dich.“ Spricht sie in Zeitlupe. Er schaut sie an. Er sortiert im Kopf das Gehörte. Wort für Wort, Silbe für Silbe. Es dauert ewig, doch sie hält dem Blick stand. Er schüttelt den Kopf. Doch dann fragt er:

„Willst du mich?“ Es war ganz leise, aber es gilt.

Sie lächelt. „Ja!“ sagt sie. Drei Mal klopft ihre Hand auf seinen Arm. „Komm.“

 .

„Hier bist du also auch schüchtern?“ fragt sie. Aber es ist keine Frage. Ihr Gesicht ist ganz nah vor ihm. So nah, ihr Gesicht verschwimmt, sein Blick kann sie gar nicht fixieren. Dass sie schmunzelt, das sieht er schon. Er antwortet nicht. Verschiedene Gedanken trommeln in seinem Kopf. Alles geht im Kreis. Viel mit Sinn und Verstand ist nicht dabei.

„Gut, dann werde ich dir diese Schüchternheit mal austreiben. Das wird ein lustiges Spiel.“ Sagt sie. Ihre Augen glänzen. Sie beißt sich auf die Unterlippe, dann macht sie eine Schnute.

Eben hat sie ihn geküsst. Er hat es gespürt. Es war ein kurzer Kuss. Glauben kann er es nicht. Und jetzt tut sie es noch einmal. Dieser Kuss ist länger. Er spürt ihre Zunge, sie meint es ernst. Sie meint es wirklich ernst! Es gibt noch mehr Anzeichen dafür. Dass sie im Schlafzimmer stehen zum Beispiel und wo sie ihre Hände hat zum Beispiel. Ihre Hände tasten an seiner Kleidung herum. Er schaut sie an. Ja es stimmt, sie zieht ihn aus. Sein Gefühl täuscht ihn nicht. Sie lächelt ihn an.

„Bist du bereit? Jetzt geht es los.“ Haucht sie. Sie lacht leise, schaut ihn an, guckt ganz kurz ganz böse und macht seinen Gürtel auf.

Ihre eigenen Kleider hat sie schnell aus. In hohem Bogen fliegen sie weg. Sie krabbelt rückwärts aufs Bett und schaut ihn an. „Hmm.“ Macht sie. Er steht im Zimmer und fühlt sich einfach nur nackt. Er denkt wie er da steht, mickrig und klein. Er weiß dass er sehr durchschnittlich ausschaut. Besonders jetzt hier, macht er ganz bestimmt keine gute Figur. Und sie? Sie ist ein Gedicht, eine blasse Göttin mit schwarzem Haar. Fantasttische feste Figur, zarte Fesseln, lange Arme und Beine, die Brüste so schön und rund. Auch ihre Zehennägel sind lackiert, lackiert in Blutrot.

Mehr denken, mehr fühlen kann er nicht. Sie meint es ernst. Er fasst es nicht.

„So schlecht ist das aber nicht was ich hier sehe.“ Sagt sie. „Sie lügt.“ Denkt er.

Sie klingt ein wenig lüstern, sie grinst. „Na komm!“  sagt sie. Sie schwingt sich vom Bett und fasst seine Hand. Sie zieht ihn aufs Bett.

Er stoppt an der Bettkante. Er hockt sich hin. Sie setzt sich Mitten aufs Bett. Nach hinten gelehnt, auf die Arme aufgestützt sitzt sie, ihre Beine sind gespreizt. Sie neigt den Kopf. Sie lächelt. Sie hebt eine Braue und lässt sie wieder fallen.

„Nun,“ sagt sie langsam. Ihr Kopf fällt auf die andere Seite. „Nun, was möchtest du denn machen?“ fragt sie ihn. Sie spricht langsam, warm und tief. Sie lächelt ihn an. Ihre Augen sind Schlitze. Er schluckt. Er will etwas sagen, bringt aber nichts heraus. Er kann nicht fassen was passiert. Sie grinst.

„Geh mal davon aus, dass ich alles will, egal was. Schaffst du das?“ fragt sie und betrachtet ihn.

Er nickt langsam. Sie schüttelt den Kopf und schmunzelt.

„Nein, Männer die auf Bettkanten sitzen, wissen nicht, das die Frau alles will.“ Stellt sie fest. Er wird rot, ihm ist heiß. Es ist eine Unverschämtheit, dass es solche Frauen überhaupt gibt.

„Ich helfe dir. Sonst wird das nichts. Du glaubst mir nicht, weil du dir nicht vertraust.“ Sagt sie. Er zwinkert mit den Augen.

„Willst du mich streicheln?“ fragt sie ganz leise und sanft. Er nickt leicht.

„Klar!“ sagt er. Sie hebt ein wenig den Kopf und lächelt ihn an.

„Dann tue es!“ sagt sie sanft. Sie beobachtet ihn. Er setzt sich aufs Bett und legt seine Hand ganz sanft auf ihr Bein. Dann beginnt er sie zu streicheln. Langsam und sanft fährt seine Hand über sie. Sie lässt ihn nicht aus den Augen. Er streicht über die Flanken, die Hüfte, den Po, die Beine und wieder zurück bis zum Hals. Sie schnurrt ganz leise. Er lächelt.

„Du kannst ruhig beide Hände nehmen. Du hast vollen Zugriff, mach was du willst, lass ruhig nichts aus.“ Sagt sie und schmunzelt. Sie wechseln einen Blick. Ihre Augen funkeln. Er schluckt. Sie nickt.

„Wie schön du bist. Du bist wirklich eine wunderschöne Frau.“ Sagt er leise. Mit beiden Händen fährt er über sie hin und her.

„Dankeschön.“ Sagt sie und schmunzelt. Sie wechseln einen Blick. Sie spricht weiter:

„Und weil ich eine Frau bin und weil ich so schön bin verharrst du in Ehrfurcht und traust dich nicht zu tun was du willst. Stimmts?“ Er hält inne mit dem Streicheln. Er schaut sie an. Er ist verblüfft.

„Wie meinst du das?“ fragt er.

Sie hebt die Schultern. „Nun, ich glaube du stellst deine Wünsche hintenan. Du bist zu verlegen, zu schüchtern um dich zu trauen was du willst.“ Munter ist ihr Blick. Sie lächelt.

„Nein, wieso, das ist wunderschön was ich mache.“ Verteidigt er sich.

„Ja, ich mag es auch.“ Sagt sie knapp. Sie kichert ein wenig. „Aber meinst du, ich sehe nicht, dass du ständig auf meine Muschi blickst. So rot, das sie leuchtet ist sie nun auch wieder nicht.“ Aber er wird rot und er schluckt. Sie hebt eine Hand und wuschelt ihm das Haar. Ganz kurz macht sie das.

„Wenn du darauf Lust hast, dann tue es!“ sagt sie leise. Er schaut zwischen ihre Beine. Ihre Beine sind gespreizt. Sie ist rasiert, kein Haar bedeckt ihr Geschlecht. Sehr Rosa, sehr weich sieht es aus. Es lockt. Er schluckt. Sie verdreht die Augen. Er sieht es nicht.

„Los steck deine Finger hinein.“ Sagt sie. Er schaut sie an und sie macht eine Schnute. Dann streicht seine Hand langsam Richtung Scham.

„Na los! Ich finde das geil. Ich will das, also los“ spornt sie ihn an. Dann gleitet ein Finger in sie hinein. Von oben über die Klitoris die Rinne entlang hinein in den dunklen Kanal. Sie atmet tief. Sie beobachtet ihn. Seine Augen glänzen. Er lächelt.

Ihr Geschlecht ist feucht, warm und weich. Er reibt, er forscht in ihr, er beugt seinen Finger. Sie atmet hörbar. Sie zischt. Zwischendurch schaut er zu ihr. Sie nickt. „Ja ich will das, mach weiter! Los noch einen Finger rein, Los!“ Er nimmt zwei Finger, fährt hinein in ihr Loch und wieder heraus. Er schluckt. Er atmet schwer, sie auch. Er ist konzentriert, er brummt, ihm ist heiß. Dann spürt er ihren Blick.

„Und? Glaubst du mir, dass ich will?“ fragt sie. Sie atmet sehr laut aus. Er fährt mit dem Finger hinein und hinaus.

„Ja“

„Gut! Ist dir klar, dass ich es von Dir will?“

„ja“ stotternd atmet er aus.

„Gut, dann merke es dir.“ Er schaut zu ihr, sie lächelt ihn an, er lächelt zurück.

„Und jetzt? Was wünschst du dir jetzt?“ fragt sie. Er verlangsamt seine Bewegung und zieht den Finger heraus.

„Gibt es nichts etwas, was du machen möchtest? Irgendetwas was du immer mal tun wolltest, dich aber nicht traust?“ fragt sie. Provokation liegt in ihrer Stimme. Er pustet Luft aus. Sie grinst.

„Noch nicht? Noch zu schüchtern, noch keinen Kontakt zu dem was du wünschst?“ sie lächelt ihn an. Er lächelt schüchtern zurück. „Keinen Kontakt?“ fragt sie wieder. Er schüttelt den Kopf. „Ok, dann helfe ich Dir.“ Sie grinst über das ganze Gesicht. „Los, steck mir den Finger in den Arsch. Das wolltest du immer mal tun, traust dich nur nicht. Ich bin mir sicher. Also los, rein damit.“ Er schluckt. Ihre Augen funkeln. Auch ein wenig böses Funkeln ist dabei. Er holt tief Luft.

„Wirklich?“ fragt er. Sie schlägt mit der Hand auf das Bett. Böse schaut sie.

„Verdammt, brauchst du es schriftlich! Steck den Finger da rein und besorg es meinem Arsch! Ich wünsche es mir. Ich von dir! Ich von dir! O.k.?“ Er nickt. Sie ist laut geworden.

„Hast du das schon mal gemacht?“ fragt sie etwas leiser. Er schüttelt den Kopf.

„Gut, dann schau her. Erst massieren, so im Kreis, und dann dringst du langsam ein. Dann langsam vor und zurück und im Kreis.“ Sie führt seine Hand zu ihrem Arsch. Legt seinen Finger darauf. Er kreist mit dem Finger. Sie spuckt sich in ihre Hand und gibt die Spucke zu seiner rührenden Hand.

Er blickt in ihr Gesicht. Sie nickt. Langsam drückt er den Finger in das Loch. Da ist ein Widerstand, dann weitet es sich. Ein zweiter Widerstand, dann ist er drin. Er betrachtet seinen Finger während er kreisende Bewegungen in ihr macht. Er steckt tatsächlich in ihr drin. Zartrosa liegt ihr Schließmuskel um seinen Finger. Groß sind seine Augen. Er wird sich bewusst, was er da tut. Er schaut in ihr Gesicht. Sie strahlt. Ihre Wangen sind rot. Tief und gleichmäßig atmet sie durch die Nase. Die Luft rauscht. Ihre Lippen zittern. Sie legt den Kopf nach hinten. „Oh man ist das geil.“ Haucht sie. Ihr Becken bewegt sich. Sie vollzieht seine Bewegungen nach. Tiefer und ausladender kreist und stößt er in ihr. Konzentriert schaut er, was er da macht. Mit der Anderen Hand spielt er an ihrer Muschi. Ganz von selbst hat er damit begonnen. Sie stöhnt, sie ächzt. Tief atmet sie ein.

„Glaubst du mir jetzt, dass ich das will?“

„ja“

Glaubst du mir, dass ich es von dir will?“

„ja“ antwortet er. Er betrachtet seine Hände. Wie von außen sieht er was sie da tun. Er kann nicht glauben, was sie ihm erlaubt. Er hört ihre Stimme. Wie von fern klingt sie ihm.

„Gut, dann merk es Dir!“ sagt sie gepresst. Sie atmet schwer.

Er spürt ihre Hand. Da ist ihre Hand an seinem Glied. Sie fährt auf und ab und daran entlang. Sein Schwanz ist hart und heiß.

„Und den steckt du mir jetzt ins Maul!“ befielt sie ihm. Er atmet hörbar aus. Auch sie atmet laut. „Ja, in meinen Mund. Ich möchte ihn lutschen. Steck ihn mir rein, ganz tief.“ Er nickt. Sein Kopf ist rot, er schwitzt. Er lässt von ihrem Arsch ab, zieht den Finger langsam heraus. Sie rückt in Position, lässt dabei seinen Schwanz nicht los. Sie betrachtet die Eichel, sie grinst.

„Sonderwünsche?“ fragt sie und wirft ihm einen Blick zu. Ihre Hand fährt auf und ab. Sein Schwanz ist hart wie Stein. Er sagt nichts, er schweigt. Ein Blickkontakt, ihre Augen funkelt ihn an.

„Ich…“ beginnt er, bricht aber ab.

„Du…“ sagt sie und schaut ihn auffordernd an.

„Ich möchte in dir kommen. Also, dabei in dich, in deinen Mund.“ Sagt er leise. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Augen leuchten ihn an. Sie freut sich.

„Wunderbar, ein Wunsch!“ sagt sie fröhlich. „Du hast dich getraut, sehr gut.“ Sie reibt seinen Schwanz, leckt einmal kurz dran. Ihre Zunge fährt an der Eichel entlang. Er atmet tief ein, dann wieder aus.

„Wird gemacht mein Lieber! Wird gemacht! Ich trinke deinen Schwanz aus! Ganz leer, jeden Tropfen lutsche ich raus.“ sagt sie und beginnt.

 .

„Und? Bist du jetzt schon ein bisschen weniger schüchtern“ fragt sie. Sie liegen nebeneinander. Genauer: sie liegt halb auf ihm. Ihre Hände liegen auf seiner Brust und ihren Kopf stützt sie darauf. Er lächelt.

„Ja ganz bestimmt.“ Sagt er. Sie schüttelt den Kopf.

„Nein, du glaubst das jetzt, aber nein, so funktioniert das nicht.“ Sagt sie und richtet sich auf. Sie setzt sich mit den Beinen über kreuz und streicht sich die Haare zu Recht. Sie streckt sich. Ihre Brüste lachen ihn an. Er sieht hin.

„Nein, vielleicht ein oder zwei Prozent weniger schüchtern, vielleicht. So schnell geht das nicht.“ Sie lächelt ihn an. „Du hast einen Anfangsverdacht, es könnte so sein, mehr ist es nicht.“ Ihre Blicke treffen sich. Sie nickt. „Mehr ist das nicht. Du brauchst viel mehr. Du brauchst es hundertmal. Und nicht nur so.“ Ihr Finger macht eine kreisende Bewegung um sie und das Bett. „Du brauchst Bestätigung auf allen Ebenen, von Frauen die dir gefallen, von Männern die dir begegnen, einfach von allen. Du brauchst ein Willkommensein. Und das so oft, so unglaublich oft, bis du es glaubst.“ Sie beugt sich vor und gibt ihm einen Kuss. Sie betrachtet ihn. „Es ist ein Anfang, mehr ist es nicht.“ Er verzieht das Gesicht. Sie lächelt. Sie hebt die Schultern und lässt sie wieder fallen.

„Es braucht Zeit.“ Sagt sie traurig. Sie schweigen einen Moment.

„Und was machen wir jetzt?“ Fragt sie munter. Er zuckt mit der Schulter. Er schmunzelt, dann spricht er:

„Ich will noch mal.“ Sie lacht.

„Sehr gut! Sehr gut mein lieber. So soll es sein…“

 .

Aufwachen! Aufwachen lieber Leser. Diese Geschichte ist erfunden. Frei erfunden ist sie. Diese Frau ist eine Göttin. Sie macht alles richtig, richtig für ihn. So läuft das im Leben nicht. Frauen machen das nicht. Gute Gründe haben sie dafür. Der Wichtigste beginnt mit einer Frage: Wozu?

„Willkommen“ sagt die Göttin zu ihm. Sie nimmt ihn an, und zwar mit Wörtern und mit Taten. Sie gibt ihm genau das, was er braucht. Er braucht ganz viel „Willkommen“, ganz viel, ganz oft.

Schüchternheit ist das Gefühl nicht willkommen zu sein. Es ist angelernt, antrainiert und das will erst mal überschrieben sein.

Schüchternheit ist eine Krise. Es ist eine Krise des Kerns, es ist eine Krise der Selbstsicherheit, des Selbstwertgefühls. Willkommen sein hilft! Nur zu sagen jemand sei willkommen reicht nicht. Man redet sich nicht aus der Schüchternheit heraus. Man tut es mit Taten. Die Tat hilft, sonst nichts! Die Göttin hier, hier in der Geschichte, die hat es raus. Aber… es gibt sie nicht.

4.3 Aus Versehen

Eric: „Das ist nicht dein ernst?“

Volker: „Ja warum. Ist das so exotisch?“

Eric: „Die dunkelhaarige vom DM, die hast du geknackt?“

Volker: „Geknackt! Geknackt? – Nein, ich bin mit ihr zum Essen verabredet. Geknackt ist anders. Wir kennen uns.“

Eric: „Was sagst du dazu Hannes? Du bist doch der Abschleppexperte.“

Hannes: „Ich weiß wen du meinst. Ich glaube jeder in zwei Kilometer Umkreis, weiß wen du meinst. Die Frau ist eine Festung. Volker, wie hast du das denn gemacht?“

Volker: „Ich habe gar nichts gemacht. Wir sind ein paar Mal ins Gespräch gekommen.“

Eric: „Mit der kommt man nicht ins Gespräch. Die funkelt einen nur böse an. Die ist der Hammer.“

Volker: „Doch, vor einem halben Jahr oder so. Ich habe an der Kasse mit ihr gequatscht. Nur ein bisschen. Ein Hallo wie geht’s. Müde heute? Tierisch voll heute, so Beliebiges halt.

Sie hat mich ignoriert. Aber ich war immer freundlich. Mir war das egal. Die ist ja so dermaßen schön, so dermaßen Modelletage, da ist alles egal. Irgendwann habe ich sie nach ihrem Namen gefragt. „Der steht hier drauf.“ Hat sie gesagt und auf ihr Schildchen gezeigt. „Ich will deinen Vornamen wissen, dein Nachname ist mir egal.“ Habe ich gesagt. Und dann hat sie ihn mir genannt.“

Hannes: „Wie heißt sie denn?“

Volker: „Nadja.“

Eric: „Nadja, ok. Und dann?“

Volker: „Dann habe ich „Hallo Nadja“ gesagt. Jedes Mal und wir haben uns unterhalten. Immer so lang bis alles eingescanned war. Länger nicht. Schönen Tag Nadja, Schönes Wochenende Nadja, Pass auf dich auf Nadja.“

Eric: „Worüber habt ihr Euch denn unterhalten?“

Volker: „Ach, das Wetter, den Chef, diesen Dicken, kennt ihr den? Die Leute und über Sport. Genau über Sport. In welches Fitnessstudio ich gehe. Und dann hat sich mich gebeten nach den Preisen zu fragen. Habe ich gemacht, dann sind wir zusammen hingegangen und sie hat eine Probestunde da gemacht.“

Eric: „Du warst mit ihr im Fitnessstudio?“

Volker: „Ja, aber nur, weil ich den Chef kenne. Und wenn ich sie anmelde, ist es günstiger für sie. Ich kann da ein bisschen handeln mit dem.“

Eric: „Du warst mit ihr im Fitnessstudio!“

Volker: „Ja, nicht so wie du denkst. Nicht gemeinsam trainiert. Ich habe sie nur angemeldet, sozusagen.“

Eric: „Und jetzt triffst du sie auch da.“

Volker: „Joh, alle zwei Wochen oder so, irgendwie, ja klar. Ich winke ihr, sie winkt zurück. Manchmal quatschen wir kurz. Das ist alles.“

Hannes: „Und jetzt seit ihr verabredet?“

Volker: „Ja heute Abend. Wir gehen essen.“

Eric: „Und wie hast du das gemacht?“

Volker: „Ich habe sie gefragt.“

Eric: „An der Kasse, beim einscannen?“

Volker: „Ja.“

Eric: „Einfach so?“

Volker: „Ja, klar. „Hast du Lust mit mir essen zu gehen. Das ist bestimmt lustig wir zwei.“ habe ich gesagt. Und sie hat „ja“ gesagt. Nein, das stimmt nicht. Sie hat „Ja super gerne!“ gesagt.

Eric: „Super gerne? Bist du nervös?“

Volker: „Nein, warum? Ich gehe mit Nadja essen, wo ist das Problem? Das ist nicht wie du denkst, Eric. Das ist kein Date mit Ziel. Die ist eine ganz andere Liga. Aber ich freu mich drauf. Es ist irgendwie lustig. Es ist lustig diese total arrogante Frau zum Essen auszuführen. Die war so lange so überheblich zu mir und jetzt ist sie total nett. Das macht super Spaß mit ihr. Ich gehe manchmal in den DM und kaufe nix.“

Eric: „Ja das würde mir auch Spaß machen mit der, das glaube ich dir. Unfassbar. Du wirst doch sonst rot, wenn du nach dem Weg fragst.“

Volker: „Ach, so groß ist die Leistung jetzt nicht.“

Eric: „Hallo! Das ist die Königin des Stadtbezirks! Du hast die Königin aufgerissen!“

Volker: „Also erstens ist es nur ein Essen und zweitens habe ich zehn Monate gebraucht. Aufgerissen ist anders. Ich kann das überhaupt nicht. Ihr kennt mich. Ich habe sie nicht aufgerissen. Ich kenne sie und gehe mit ihr essen. Ich freue mich diebisch, aber mehr ist es nicht.“

Hannes: „Wie oft warst du so im DM pro Woche?“

Volker: „Zwei Mal vielleicht.“

Hannes: „Und wie lang habt ihr immer gesprochen?“

Volker: „Puhh, eine Minute vielleicht. Höchstens zwei.“

Hannes: „Stapel mal nicht so tief Volker. Zehn Monate, mal vier Wochen, mal zwei Treffen je eine Minute das sind insgesamt eineinhalb Stunde.“

Volker: „Ok, aber es war jedes Mal mehr als eine Minute.“

Hannes: „Ja, aber du musstest jedes Mal neu anfangen. Du hast also in eineinhalb Stunden die denkbar unnahbarste Frau von einem Essen mit dir überzeugt. Und ich bin mir sicher, du hast sie noch von ganz anderen Dingen überzeugt.“

Volker: „Wovon denn?“

Hannes: „Das du hartnäckig bist, das du dich nicht aus der Ruhe bringen lässt, das du auf ihrer Seite bist und das du stärker bist als sie.“

Volker: „Wie?“

Hannes: „Ich kann nicht mehr! Du denkst du hast nichts gemacht. Du hast dich wie eine Panzerfaust verhalten.“

Volker: „Wie? Wo?“

Hannes: „Du hast nicht aufgehört! Einfach nicht aufgehört hast du! Du hast dich durch ihre Panzerung hindurchgeschmort und bist dabei freundlich geblieben.“

Volker: „Unsinn. Es ist nur Gealbere mit ihr.“

Eric: „Die bezieht gerade ihr Bett neu für heute Abend, mein Lieber.“

Hannes: „Hundert Prozent Volker, Eric hat recht.“

Volker: „Scheisse, echt?“

Hannes: „Echt.“

Eric: „Echt.“

Volker: „Pfff…Jetzt macht ihr mich nervös.“

4.2 Lektion eins

„Setz Dich ruhig hier her.“ Hört er und setzt sich. Das Sofa knarrt. Er setzt sich auf die vorderste Kante. Man kann es ihm ansehen, ihm ist nicht ganz geheuer hier.

„Wir lassen dich erst mal in Ruhe. Komm erst einmal an.“ Spricht eine weibliche Stimme. Er ist viel zu nervös um die Sprecherin zu identifizieren.

Er schaut sich um. Braune Ledersofas stehen in Formation. Im ganzen Raum sehr viel Beige, viel Braun. Ein Bild, nein, zwei Bilder hängen an der Wand. Eine Vase, darin steckt Dekoration, wieder ist da viel Braun. Alles ist aufeinander abgestimmt. Der Raum hat etwas von einer Hotellobby. Es ist unaufdringlich, unpersönlich und modern.

Drei Sofas bilden ein Hufeisen. Zwischen deren Schenkel steht ein Tisch. Kerzen, Aschenbecher und Zigarettenpackungen liegen darauf. Er sitzt alleine auf seinem Sofa. In den anderen Sofas sitzen drei Frauen. Zwei sitzen nebeneinander, eine sitzt alleine über Eck. Damit sitzt diese auch über Eck mit ihm. Er nickt einmal zu den Frauen. Sie beachten ihn nicht. Sie rauchen. Sie rauchen alle drei. Sie unterhalten sich. Er hört etwas von Mexiko, aber er hört nicht hin. Verstohlen betrachtet er die Drei.

„Die sehen normal aus. Völlig normal.“ Denkt er. Er rutscht etwas nach hinten auf dem Sofa. Er entspannt. Alles ist gut, alles ist normal.

Eine der Frauen steht auf.

„Kann ich dir etwas mitbringen?“ fragt sie ihn. Sie hat schwarze Locken. Es ist eine richtige schwarze Mähne. Sie ist groß. Sie trägt ein sommerliches leichtes Kleid. Kein Wunder, es ist ja auch Sommer. Verbindlich höflich lächelt sie ihn an.

„Nein danke, danke nein“ sagt er. Seine Stimme knarrt. Er blickt kurz zu ihr, dann schaut er weg.

Die Frau rechts von ihm beugt sich vor und zieht den Aschenbecher zu sich über den Tisch. Sie drückt ihre Zigarette aus. Sie schaut zu ihm, dann lächelt sie.

„Das erste Mal hier?“ fragt sie. Er erkennt ihre Stimme. Sie ist die Sprecherin die ihn eingeladen hat auf das Sofa. Sie ist groß. Sie ist eine große Person, halblanges dunkles Haar trägt sie mit schiefem Schnitt. Ihr Gesicht ist nicht unbedingt hübsch. Es ist markant, ein wenig herb. Sie ist der südländischer Typ beschließt er. Sie trägt ein schwarzes Kleid. Er sieht keinen Schmuck, aber ein Tattoo. Es zieht sich den ganzen Arm herunter bis zur Hand.

Er nickt. „Ja, das erste Mal. Das erste Mal überhaupt in so etwas hier.“

„Oha!“ sagt sie und grinst.

Die Schwarzgelockte kommt wieder. Sie balanciert eine Tasse Kaffee, stellt sie auf den Tisch und setzt sich auf ihren alten Platz.

Die drei Frauen beginnen wieder zu reden. Es geht noch immer um Mexico. Das Gespräch dreht sich um Urlaub und um Delfine. Er hört ein wenig zu.

So geht das eine Weile. Sie sitzen auf dem Sofas, die Frauen reden und er schweigt. Einmal schaut ihn die Dritte im Bunde an, eine Blondine. Sie lächelt verhalten, er lächelt verhalten zurück.

„Zigarette?“ fragt ihn plötzlich seine Sitznachbarin. Das kam unvermittelt. Er hat sich ein wenig erschreckt. Er schüttelt den Kopf. Viel zu schnell macht er das. Sie nimmt sich eine Zigarette aus ihrer Packung.

„Rauchst du nicht?“ fragt sie, als sei das so ungewöhnlich.

„Eigentlich schon.“ antwortet er langsam. Sie zieht eine zweite Zigarette aus der Packung, steckt sich beide in den Mund und zündet sie an. Sie kontrolliert die Glut und reicht ihm eine. Zögerlich nimmt er sie an.

„Danke“ sagt er und schaut zu ihr. Der erste Eindruck stimmte, sie ist ein südländischer Typ. Ziemlich deutlich ist sie geschminkt um die Augen. Ein geschwungener Strich mit Cajal. Ihre Augen sind grau. Das kontrastiert zu ihrem dunklen Teint. Da ist nicht nur das große Tattoo auf dem Arm, etwas Vergleichbares zieht sich auch an der Seite den Hals hinauf.

Seine Augen wandern nach unten. Ganz natürlich zum Dekoltee. Das ist üppig, aber er schaut weg. Es ist ihm zu indiskret. Sie sitzt zu nah.

„Schüchtern?“ fragt sie und zieht an ihrer Zigarette. Sie hat ihn beim Beobachten beobachtet. Er fühlt sich ertappt. Sie grinst und pustet Rauch nach oben in die Luft.

Er grinst auch. Es ist ein verlegenes Grinsen.

„Was?“ sagt sie. Es war ein wenig zu laut, aber es klang freundlich. Er atmet ein und wieder aus.

„Ein bisschen überfordert vielleicht.“ Sagt er Richtung Tisch. Er blickt zu den anderen Frauen. Sie schwatzen, er hört nicht hin.

„Hast du es dir so vorgestellt?“ fragt Misses Tattoo.

Er schaut zu ihr. Sie guckt freundlich. Er beschließt sie zu mögen.

„Nein, ganz anders.“ Sagt er langsam.

„Wie?“

Er zögert. „Billiger, schmuddeliger,…“ Ihm fällt das passende Wort ein, aber er sagt es nicht. Sie ergänzt seinen Satz. Sie spricht aus was er denkt:

„nuttiger?“

Er blickt zu ihr. Er nickt.

„Das gibt es auch.“ Sagt sie. Er nickt wieder. Seine Zigarette ist fast abgebrannt. Er dreht sie zwischen den Fingern. Er betrachtet die Glut. Sie schaut ihn weiter an, freundlich und herb zugleich. Er grinst unter ihrem Blick und macht einen letzten Zug an der Zigarette.

„Und wie findest du es?“ fragt sie.

„Ich sehe ganz normale Frauen.“ Sagt er. Sie kichert. Er schaut wieder zu ihr. Sie ist amüsiert.

„Ich sage mal so:“ Er muss das Wort im Mund drehen bevor er es spricht. Aber dann tut er es, sie benutzt es schließlich auch: „Ich hatte Nutten erwartet, aber hier sind ganz normale Frauen.“ Sie fängt an zu gackern. Sie macht ein glucksendes Geräusch.

Er zuckt mit der Schulter „Aber vielleicht kommen die Nutten ja noch.“ Sagt er und drückt die Zigarette aus. Jetzt lacht sie laut.

„Joy, ich bin Joy“ sagt sie und reicht ihm die Hand. Er schüttelt sie. Es wirkt förmlich. Ein wenig unpassend ist das für hier.

„Paul“ sagt er, freundlich schaut sie.

„Ich muss dir nicht erklären wie das hier funktioniert?“

„Ich glaube ich habe es kapiert.“ Antwortet er.

„Es ist keine Schande einfach wieder zu gehen.“ Sagt sie.

Er nickt.

„Jetzt doch einen Kaffee?“ fragt sie und er sagt ja.

Er sitzt und schweigt auf dem Sofa. Er trinkt seinen Kaffee und hört den Frauen zu. Ein Mann setzt sich zu ihnen. Er setzt sich neben Paul. Joy redet auch mit ihm. Joy und dieser Mann kennen sich. Man muss nicht lange raten woher. Der Mann ist älter als Paul. Er ist etwas untersetzt und spricht mit schwäbischem Akzent. Dann fragt er die Blonde, ob sie Zeit hat. Sie nickt, beide stehen auf und gehen. Es geht schnell. So einfach ist das.

Joy blickt zu Paul. Er lächelt verlegen.

„Kaffee, Cola?“ fragt sie. Seine Tasse ist längst leer.

„Nein, ich glaube ich gehe.“ sagt er. Doch er bleibt. Es dauert eine Weile, da kommt Joy zurück.

„Du bist ja immer noch hier.“ sagt sie zu ihm und setzt sich auf ihren Platz. Sie hat eine Cola dabei. Eine dieser niedlichen kleinen Colaflaschen aus Glas. Er nickt. Sie beugt sich zu ihm.

„Das ist kein Problem wieder zu gehen. Das machen die meisten beim ersten Mal. Es ist keine Schande.“ Sagt sie leise. Sie fingert nach ihren Zigaretten und zieht sich eine heraus. Sie hebt die Packung zu ihm. Er schüttelt den Kopf.

Paul presst die Lippen aufeinander, er rutscht auf die vordere Sitzkante. Er ist verlegen und schaut sie von der Seite an.

„Hast du Zeit?“ fragt er schnell. Sie hebt die Augenbrauen. Sie ist überrascht. Damit hat sie nicht gerechnet. Dann breitet sie ihr Lächeln über ihr Gesicht aus. Ihre Augen funkeln.

Etwas leiser sagt er: „Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie.“ Es klingt wie eine Entschuldigung.

„Ja, ich habe Zeit, können wir machen, Gerne.“ sagt sie. Sie zieht an ihrer Zigarette. Sie betrachtet ihn, langsam quillt der Rauch aus ihrem Mund.

„Schüchtern aber stark.“ Sagt sie leise. „Du bist schüchtern aber stark.“ Wiederholt sie lauter. Er schaut sie an. Sie ist eine gescheite Frau, denkt er. Was macht so eine Frau hier. Andererseits, sagt er sich, intelligent und Hure schließt sich nicht aus.

„Ich bin ein ziemlich großes Mädchen.“ Sagt sie und grinst ihn an. „und ich bin voller Tattoos. Ist das ein Problem?“ Sie spricht mütterlich. Da ist etwas Mütterliches in dem Ton. Etwas provokant klingt es auch.

Er lacht. Er schaut zum Boden und schüttelt den Kopf. Dann blickt er sie an. „Nein, ich denke nicht.“ Sagt er. „Ich habe gerade ganz andere Probleme.“

„Schüchtern aber stark.“ Wiederholt sie. „Dann werde ich einmal ein wenig gegen deine Schüchternheit tun“. Mit der Kippe im Mund nuschelt sie. „Ich werde dir etwas erklären. So etwas Ähnliches wie eine Lektion wird das.“ Sie reibt ihre Hand. Versonnen schaut sie sich dabei zu. Dann lächelt sie und schiebt ihr Feuerzeug in die halbleere Zigarettenpackung. Sie steht auf.

„Komm!“ sagt sie zu ihm.

Auch das Zimmer ist braun mit Beige. In der Frage der Dekoration ist der Laden konsequent. Ein großes Bett steht in der Mitte des Raums. Ein glattes sauberes cremefarbenes Laken liegt darauf. Es gibt eine riesige Dusche mit Glasfront. Eine Dusche von bestimmt sechs Quadratmetern Fläche. Gedimmtes Halogenlicht verleiht der Dusche etwas Sakrales. Eine Dusche wie ein Kultraum, ein moderner Kultraum in sphärischem Licht.

„So.“ sagt sie und stellt ihre Tasche ab.

„Wir duschen erstmal.“ Sie lächelt und zieht sich aus. Gräulich dunkel schimmern Tattoos auf ihrer Haut. Überall sind welche davon. Sie hat vergrößerte Brüste. Sie sind nicht riesig, aber sie sind groß und stramm. Sie ist schlank. Sie sieht wie eine Frau aus den Musikvideos aus. Das denkt Paul: „Genau, das ist sie! Sie ist eine der Musikvideofrauen. Ein sehr verruchtes, Exemplar, ein bisschen verlebt, aber genau so sieht sie aus.“

Sie öffnet ihren BH. Sie nimmt ihn in ihre Hände und spielt mit ihm. Im fallen ihre gepiercten Brustwarzen auf. Sie lächelt ihn an. Dann legt sie den BH zur Seite.

Er ist verlegen. Nicht wegen der Nacktheit. Nein, gar nicht. Das ist es nicht. Auch nicht wegen der Situation, dem Ganzen hier. Nein, es ist das Gefälle. Das Gefälle zwischen ihm und ihr. Sie dominiert alles. Den Raum, die Handlung, auch ihn. Er ist durch und durch Gast. Sie weiß es und lächelt dazu.

Auch er zieht sich aus. Sie beobachtet ihn dabei. Er zieht seinen Pullover über den Kopf. Als sein Blick wieder frei wird, sieht er ihren Blick. Sie schaut wie eine Lehrerin. Sie ist eine wohlwollende Lehrerin in Musikvideomädchengestalt, denkt er.

„Was wünschst du Dir denn?“ fragt sie in ganz warmen Ton. Wie beiläufig zieht sie ihren Slip herunter. Auch dort sieht er Schmuck. Aber er schaut nur ganz kurz hin.

„Wünschen?“ fragt er.

„Ja, wünschen!“ sagt sie und lacht leise. Sie hebt die Augenbrauen als erwarte sie eine Antwort. Aber sie erwartet keine Antwort, das spürt er genau. Er spürt etwas anderes: Jetzt beginnt seine Lektion.

„Ja, wünschen.“ Wiederholt sie und geht nackt auf ihn zu. Sie nimmt ihn an der Hand und zieht ihn zur Dusche. In der Mitte der Dusche lässt sie ihn los. Er beobachtet sie. Sie lächelt zu ihm und stellt das Wasser an. Ein Schwall warmen Wassers ergießt sich über ihn. Dann dreht sie das Wasser wieder ab. Sie grinst. Sie ist trocken. Er ist nass. Sie ist dem Wasserstrahl entgangen. Er steht in der Mitte der Dusche und lässt geschehen, was da kommt.

Diese Szene hat etwas Surreales. Er denkt daran wo er hier ist, was er hier macht. Diese Riesendusche, dieses Halogenlicht, diese über und über tätowierte Frau, dieses Lachen von ihr. Kurz denkt er an das Geld das er ausgibt, zwei Euro pro Minute. Ihm ist als wenn das Geld wie das Wasser im Abfluss der Dusche verrinnt. Bisher ist es jeden Cent wert findet er. Paul hat recht: Es ist eine sehr gute Investition.

Sie greift zur Seife. Auch er hebt die Hand, doch sie schüttelt den Kopf.

„Das mache ich.“ Sagt sie sanft, streckt ihre Hände und seift seine Schultern ein. Ganz langsam gleiten ihre Finger über ihn. Sie schaut sich dabei zu, hält den Kopf schräg, sie lächelt.

„Du hast keine Ahnung von Frauen.“ Sagt sie leise. Sie schaut nicht auf. Er schmunzelt.

„Leugnen ist zwecklos.“ Sagt er.

Sie hält inne mit dem Einseifen. Ihre Hände liegen auf seiner Brust. Sie schaut ihm in die Augen.

„Puhh, bist du cool.“ Haucht sie. Sie verzieht das Gesicht. Die Haut auf ihrer Nase kräuselt sich. Dann reibt sie seine Brust weiter mit Seife ein.

„Du kommst hier alleine rein. Nicht wie andere mit einem Kumpel, einer Gruppe beim ersten Mal, nein, du kommst alleine! Dann suchst du auch noch eine aus. Beim ersten Mal nimmst du eine auf Zimmer und zwar nicht irgendeine.“ Sie macht eine Schnute und spricht weiter: „Nein, nicht irgendein scheues Häschen, nein mich! Die frechste Göre vom Dienst. Und dann sprichst du noch coolen Text.“ Sie schaut ihn wieder an. „Du hast keine Ahnung wie cool du bist.“ Doch da irrt sie. Er weiß es, er fühlt es nur nicht.

„Pfhhh.“ Macht er.

„Also, was wünschst du dir?“ fragt sie und ihre Hände gleiten seifig herab zu seinem Glied und dann wieder den Bauch hinauf. Sie waren nur kurz unten zu Besuch. Sie grinst.

„Schon wieder diese Frage. Darf man sich etwas wünschen?“ fragt er.

Sie macht einen Schritt. Sie tritt ganz dicht an ihn heran. Er spürt ihre Brüste. Sie sind kühl und glatt. Sie gleiten auf seiner Haut und der Seife darauf. Sie flüstert in sein Ohr. Ihr Gesicht ist ganz dicht an seinem. Er steht still, er wartet nur.

„Weißt du was der Unterschied zwischen hier und draußen ist?“ flüstert sie. Sie legt den Kopf schief und schaut ihm in die Augen.

„Ich glaube schon.“ Sagt er leise.

„Nein,“ sagt sie „das glaube ich nicht. Der Unterschied hat mit dem Wünschen zu tun. Nur mit dem Wünschen. Das du hier bist, ist das Ergebnis von zu wenig Wunsch.“ Sie lächelt. Sie löst sich von ihm, nimmt neue Seife und geht um ihn herum. Sie seift seinen Nacken, seinen Rücken ein. Sie macht es versiert. Ihre Hände verlassen seine Haut nie.

„Du musst dir etwas wünschen bei Frauen.“ sagt sie „Das ist das ganze Geheimnis. Und du musst auf deine Wünschen bestehen. Das wollen die Frauen.“ Sie tritt von hinten an ihn heran. Sie flüstert in sein Ohr.

„Wenn du Frauen glücklich machen willst, wenn du mit ihnen umgehen willst, wenn du bekommen willst was du willst, dann musst du wissen was du willst. Du musst dir Wünsche wünschen.“ Sie kichert ganz leise, kommt um ihn herum und schmiegt sich von vorne an ihn. Dann gibt sie ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. Er ist verblüfft.

„Wenn du keine Wünsche äußern kannst, wenn du nichts findest, was du dir wünschst, stehst du nur schüchtern herum.“ Sagt sie. Sie steht ganz nah vor ihm und lacht ihn an. Er fühlt wie ihre Hände an seiner Hüfte kreisen, dann um sein Glied.

„Ein Mann der nicht wünschen kann,“ fährt sie fort „ ist kein Mann. Den bestraft die Frau dafür und lässt ihn teuer bezahlen.“ Sie lacht ihn an. Sie gibt ihm einen Kuss. Dieser Kuss war etwas länger. Er hat ihre Zunge gespürt, ganz kurz.

„Der Witz ist…“, sagt sie heiter und nimmt jetzt seinen Schwanz in die Hand und wäscht ihn. Sie formt wieder eine Schnute mit dem Mund. „Der Witz ist, die Männer könnten das alles umsonst bekommen.“ Sie zeigt an sich herunter. „Bei jeder Frau, jeder Mann, wenn er nur wünschen kann.“ sagt sie. „Naja, bei fast jeder Frau.“ Relativiert sie und stellt die Dusche an. Das Wasser prasselt herab. Sie reibt die Seife von ihm.

Sie dreht das Wasser wieder aus. Auch sie ist jetzt nass. Die Luft in der Dusche ist jetzt warm und feucht. Er schaut sie an. Joy fasziniert ihn. Er hat sie nicht aus den Augen gelassen. Es ist diese Dominanz, ihre Silhouette, diese Tattoos in diesem Licht, das verfehlt bei Paul seine Wirkung nicht. Vor allem entgeht ihm nicht, was sie sagt. Er glaubt ihr und er versteht.

„Aber heute, jetzt hier.“ Sie zuckt mit den Schultern und hebt kurz die Hände „Nun, du hast bezahlt.“ Sagt sie und schaut ihn neckisch an. „Da brauchst du nicht zu wünschen.“ Sie zieht eine Flappe mit der Unterlippe „Hier bekommst du geliefert, auch wenn du schüchtern bist.“ Sie lächelt und zwinkert ihm zu. Dann legt sie die Hände an seine Lenden und geht vor ihm auf die Knie.

Sie nimmt seinen Schwanz in ihren Mund und fängt an. Er atmet ein und wieder aus. Er denkt. Fast stört ihn, was sie da macht, dabei ist es sehr angenehm. Beinahe verpasst er den ersten gekauften Blowjob seines Lebens.

„Ich fühle mich, als sei ich in der Schule.“ denkt er. Es ist ein lustiges Gefühl. „Eine komische Schule ist das.“  Er lächelt und ihm ist klar was das war: Das war Lektion eins!

 .

Wie recht er hat! Wie recht sie hat!